08. Dezember 2008

Jugendrevolte in Griechenland

geschrieben von Antifaschistische Linke Berlin
Nach den tödlichen Schuss auf Andreas-Alexandros Grigoropoulos erschütterte die Griechische Gesellschaft eine mehrtägige Sozialrevolte. Demonstrationen, Millionen Euros an Sachschaden und ein Generalstreik brachten das öffentliche Leben zum Stillstand. Wichtiger aber noch, die Sozialrevolte der Jugendlichen stellt die bisherigen Eliten und ihre Korrumpiertheit generell in Frage. Inzwischen gibt es einige Papiere und Erklärungen zur griechischen Sozialrevolte: Netzwerk für Politische und Soziale Rechte (Griechenland)



Seit den tödlichen Schuß auf Andreas-Alexandros Grigoropoulos durch einen Polizisten befindet sich Griechenland im Ausnahmezustand: Demonstrationen, Millionen Euro Sachschaden und ein Generalstreik [Bilder I, II]. Inzwischen gibt es auch international Proteste, darunter in Berlin [Video], Leipzig, FF/Main, Dortmund, Rostock, Hamburg, Bremen, Jena, Hannover, Potsdam und Schneverdingen. Die Beerdigung von Andreas-Alexandros wurde zu einer erneuten Protestdemonstration während die Polizei zur gewohnten Härte zurückkehrt und auch wieder schiesst

Bürgerlichen Medien berichten über die soziale Misere, Perspektivlosigkeit und Wut der griechischen Jugend sowie der Korruption der Herrschenden. Griechenland befindet sich in einer Staatskrise (I), (II) oder wie es ein linker Aktivist ausdrückt: "Wir erfahren Momente einer großen sozialen Revolution"

Erklärung der Vollversammlung der besetzten Theaterschule von Thessaloniki

Alexandros war unser Freund, unser Bruder, unser Sohn, unser Klassenkamerad und
unser Genosse. Der Mord am 15jährigen Alexandros war der Tropfen, der das Fass
all der Fälle von Morden an jungen Menschen, die der Polizei widersprachen, auf
Aufforderung nicht an einer Straßensperre angehalten haben oder einfach - so wie
Alexandros - zur falschen Zeit am falschen Ort waren, zum Überlaufen gebracht
hat. Der Mord an Alexandros mit war kein isoliertes Ereignis, wie der
Innenminister dreist behauptet. Seine Erklärung vollendet faktisch die
Ankündigung des ehemaligen Justizministers Polydaros, wonach es nur eine Frage
der Zeit sei, bis einem Polizisten das Temperament durchgehe und er schießen
würde.

Der Polizemord am jungen serbischen Studenten Bulatovic im Jahre 1998 in
Thessaloniki, der Mord am jungen Leontidis durch einen Polizisten in der
Cassandrou Straße 2003, der Tod des 24jährigen Onohua, nachdem er im Sommer
2007 von einer Zivilstreife in Kalamaria gejagt worden war, der Mord an der
45jährigen Maria in Lefkimi im Zusammenhang mit einem Angriff der Polizei auf
Menschen, die sich gegen eine Mülldeponie wehrten, der Mord am
pakistanistischen Migranten in der Straße Petrou Ralli in Athen im letzten
Monat, die alltägliche Erniedrigung und Gewalt gegen jeden kleine Missetäter
bei Polizeiaktionen überall in Griechenland, die Schüsse gegen die
TeilnehmerInnen von Studieredendemonstrationen im letzten Jahr, die gewaltsame
Unterdrückung von Demonstrationen, der Tränengas-Krieg der Polizei, die Gewalt
gegen jeden, der protestiert ... Und natürlich der tagtägliche Mord an
wirtschaftlichen und politischen Flüchtlingen durch die Grenzpolizei. Selbst
die Tode in den eisigen Wasser der Ägais oder den Minenfeldern von Evros: All
dies ergibt das Bild der griechischen Polizei.

Der Mord am Alexandros mit seinen 15 Jahren erzeugte eine Welle der Wut und
Verzweiflung bei hunderttausenden von Jugendlichen und Menschen jeden Alters.
Es ist nicht nur die Abscheu und die Trauer über den Tod des jungen Mannes. Es
gibt ein verbreitetes Bewusstsein, dass es für jeden von uns oder diejenigen
die wir lieben, eine Kugel gibt, die auf ein unglückliches Zusammentreffen
wartet und dieses Bewusstsein teilen wir alle als Brüder, Freunde und Eltern
miteinander. Wir leben in einer sozialen Realität, die die Genauer belohnt, die
uns manipulieren – die Politiker und den Klerus. Wir alle versuchen in einem
Morgen ohne Zukunft zu überleben.

Wir haben die Zukunft uns die Verwaltung unserer Gesellschaft an Leute ohne
Moral und Regeln übertragen, die keinen Respekt vor der Menschheit kennen.

In dieser Realität war der Mord am 15jährigen Alexandros der letzte Tropfen, der
das Fass unserer Wut zum Überlaufen brachte.

Aber Wut ist nicht einfach nur ein Gefühl. Sie ist ein Kampf für soziale
Gerechtigkeit. Eine Gerechtigkeit, von der jetzt deutlich wird, dass, solange
sie in der sozialen Realität nicht existiert, es keinen sozialen Frieden geben
wird, weil es nur Friedhöfe sind, die mit solcher Unterordnung und solcher
sozialen Ungleichheit sozialen Frieden fordern können.

Weil wir jung sind wie Alexandros, weil wir einen Traum von Würde träumen
wollen, wo der Staat und die Autoritäten nur Unterordnung und Verzweiflung
verbreiten, weil wir leben wollen und nicht nur über den nächsten Winter
kommen, wegen all dem sind wir wütend und kämpfen.

Wir werden Alexandros weder vergessen, noch wollen wir einen weiteren toten
Alexandros durch Polizeikugeln.

Es wird keinen Frieden geben mit denen, die die Zukunft der Jugend zerstören,
kein Eingreifen, keine Krokodilstränen für die heuchlerischen Minister. Liebe
im Leben und Hoffnung für die Menschen. Einen täglichen sozialen Kampf mit
unseren Klassenkameraden, unseren Freunden, unseren Familien und unseren
GenossInnen für eine Gesellschaft ohne Wächter, für eine solidarische
Gesellschaft.

Wir rufen alle Bewohner, alle StudentInnen und ArbeiterInnen auf, mit uns gegen
die staatlich gedeckten Mörder auf die Straße zu gehen.

Die Vollversammlung der besetzten Theaterschule

Quelle: http://www.fau.org/artikel/art_081209-141610

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