22. Januar 2008

8.3.08: Antifademo für Andrea

geschrieben von Antifaschistische Linke Berlin
BERLIN Seit dem 1. Dezember 2007 sitzt die Berliner Antifaschistin Andrea im Knast. Aus bewusster Ablehnung staatlicher Zwänge hatte sie den Haftantritt für eine mehrmonatige Haftstrafe verweigert, weshalb LKA-Beamte sie am 1. Dezember 2007 während der Proteste gegen einen Naziaufmarsch in Berlin-Rudow verhafteten.
Ein Bündnis bestehend aus Antifa- und Soligruppen rufen zu einer Demonstration für die Freilassung Andreas auf. Die Demonstration findet am internationalen Frauentag, dem 8. März statt und soll zum Frauenknast in Berlin-Pankow führen, in dem Andrea einsitzt. Letzte News zur Demo

Demo: Samstag | 8. März 2008 | 14 Uhr | U-Bhf. Eberswalderstraße

Hier dokumentieren wir den Aufruf des Demobündnis "Freiheit für Andrea":

Freiheit für Andrea!

Seit dem 1. Dezember 2007 sitzt unsere Genossin und Freundin Andrea im Knast. Aus bewusster Ablehnung staatlicher Zwänge hatte sie den Haftantritt für eine mehrmonatige Haftstrafe verweigert, weshalb LKA-Beamte sie am 1. Dezember während der Proteste gegen einen Naziaufmarsch in Berlin-Rudow verhafteten.

Die ihr vorgeworfenen Delikte klingen lapidar, scheinen für die Staatsanwaltschaft aber eine nunmehr 14 monatige Haftstrafe zu rechtfertigen. Angelastet wird ihr das Mitführen eines Pfeffersprays bei den Aktionen gegen das SS-Gebirgsjäger-Treffen im bayrischen Mittenwald, der Besitz von Eiern, die sie während eines Naziaufmarsches in Berlin-Tegel bei sich trug, Schwarzfahren oder die Besetzung der Ausländer_Innenbehörde Lichtenberg und eines Hauses in Friedrichshain. Nach der Verlegung von Andrea in die Frauen-JVA Pankow wurde sie hier gleich als "Gesinnungstäterin" begrüßt und ihr wurde versichert dass "man mit ihr schon fertig werden wird". Ihre Inhaftierung im Allgemeinen und diesen Versuch der Einschüchterung im Speziellen sehen wir als willkommene Einladung bei Andrea vorbei zuschauen. Darum werden wir ihr am 8. März auch gleich mit einer ganzen Demo einen Knastbesuch abstatten.

Das wir ausgerechnet am 8. März vor den Frauenknast Pankow ziehen ist kein Zufall. Wir wollen den internationalen Frauenkampftag nutzen, um unsere Kritik an einer durch und durch patriarchalen Gesellschaft zum Ausdruck bringen. Das wir im "zivilisierten" Mitteleuropa nur in scheinbarer Gleichberechtigung leben, sollte den meisten klar sein. Schönheitsdogmen, Benachteiligung, Vergewaltigungen, widerwärtige Sprüche, Ausgrenzung… Wer als Frau in dieser Gesellschaft groß wird, muss einiges ertragen. Jene Verhältnisse spiegeln sich auch in den Frauenknästen wieder. Durch Sozialisation und Erziehung kümmern sich die meisten Frauen oft mehr um andere, bekommen dies aber nicht im gleichen Maße zurück. Im Knast sind die Folgen dessen besonders fatal. Frauen erhalten wesentlich weniger Rückhalt und Unterstützung von draußen, im Vergleich zu männlichen Gefangenen. Viele Frauen haben beispielsweise durch Ehe(ähnliche)verhältnisse so wie die Doppelbelastung als Mutter und Erwerbstätige nicht immer die Möglichkeit und die Zeit ein aktives Umfeld über lange Zeit aufrecht zu erhalten. Dies verschärft die persönliche Isolation der inhaftierten Frauen nur noch umso mehr. In besonderer Weise trifft dies die vielen migrantischen Gefangenen in der Pankower Frauen-JVA. Sie müssen meist ohne die Unterstützung eines Lebenspartners oder die ihrer Familie auskommen, da sich deren Familien meist noch in ihren Herkunftsländern befinden. Für viele dieser Frauen ist die Inhaftierung im Frauenknast einer der ersten Schritte vor der Verlegung in die Abschiebehaft und somit direkter Bestandteil rassistischer Asylpolitik. Erst Anfang Januar wurde eine hochschwangere Brasilianerin in den Frauenknast Pankow gesperrt, wo ihr nun die kommende Abschiebung droht. Die gesellschaftlichen Zustände in den jeweiligen Herkunftsländern, wie Krieg oder sexuelle Folter, spielen für die deutsche Abschiebemaschinerie dabei keine Rolle.

Wir möchten unseren Würgreflex gegenüber jenem alltäglichen Wahnsinn nicht länger unterdrücken, wenn es doch um so vieles schöner ist den gesellschaftlichen Verhältnissen einfach mal gekonnt vor die Füße zu kotzen. Wir fordern die Freilassung von Andrea und des ebenfalls inhaftierten Berliner Antifa Christian sowie Freiheit für alle linken und sozialen Gefangenen! Wir haben keinen Bock auf die Scheiße die hier läuft! Wir haben keinen Bock mehr auf Nazis und Sexismus, sowie auf Knäste Abschiebelager und Zwangsanstalten jeder Art. Das Gleiche gilt auch für Bullen, Richter und andere Autoritätsfanatiker. Weg damit meinen wir! Und weil wir gerade dabei sind und uns die Bekämpfung von Symptomerscheinungen nicht ausreicht entsorgen wir den Kapitalismus gleich mit. Seid also am 8. März dabei, wenn es heißt:

Gegen Patriarchat und Repression!
Holt die Antifaschist_Innen aus dem Knast!
Alle Knäste und Zwangsanstalten zu Baulücken!



North-East Antifascists | Soligruppe für Christian S. | Anarchist Black Cross Berlin | Rigaer 94 Berlin


Schreibt Andrea:
Andrea Neff | Bnr: 746/07/2 | Justizvollzugsanstalt für Frauen in Berlin | Arkonastraße 56 | 13189 Berlin

Soliarbeit braucht Geld:
Rote Hilfe e.V. | KTN: 7189590600  | BLZ: 100 200 00 | Berliner Bank | Verwendungszweck: Soli Andrea

Tags:  Andrea, Frauenknast, internationaler Frauentag, Repression

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