05. November 2007

Berlin: Silvio-Meier-Demo am 24.11.2007

geschrieben von Antifaschistische Linke Berlin
Vor 15 Jahren wurden der junge Hausbesetzer und Antifaschist Silvio Meier auf dem U-Bhf-Samariterstraße bei einem Überfall von Neonazis getötet. Rechte Gewalt, die mittlerweile vielen als ein schon längst vergangenes Relikt erscheint, ist nach wie vor Alltag in Deutschland [jW-Artikel].

Wir werden die Straße nicht den rechtsextremen Schlägern überlassen. Auch dieses Jahr wird es die Silvio-Meier-Demo geben. Gemeinsam mit dem Silvio-Meier-Bündnis sind verschiedene Veranstaltungen geplant - Höhepunkt ist die Antifa-Demo am Samstag, dem 24. November. Als Download gibt es bei uns das aktuelle Antifajugend-Info und ein Videointerview mit Silvio Meier aus dem Jahr 1992.

Mahnwache Mittwoch | 21.11. | 17h | U-Bhf Samariterstr. | Kerzen mitbringen
Demo Samstag | 24.11. | 16h | U-Bhf Samaritersraße Flaschenverbot!
Party Samstag | 24.11. | 22h | K9 Kinzigstraße 9 | mit DJ Joshi (ZSK) & Julio80

Für den Sonnabend haben Neonazis einen Aufmarsch vom Bahnhof Lichtenberg (Berlin) durch den Weitlingkiez angemeldet. Dies soll nicht einfach so hingenommen werden. Zusammen mit der Bezirksbürgermeisterin von Lichtenberg wird es eine Kundgebung gegen Rechts geben. Am Sonnabend, den 24. November um 14 Uhr auf dem Münsterlandplatz (Lichtenberg)

Ausstellung "Für Silvio": vom 23.11.-30.12. | Samariterstraße 6 [Info]

Get up, stand up!

Antifa heisst Angriff - Linke Freiräume verteidigen!


Vor 15 Jahren, am 21.November 1992, wurden vier junge Menschen von einer Gruppe Neonazis am U-Bhf-Samariterstraße angegriffen und einer von ihnen, Silvio Meier, in Folge der Auseinandersetzung ermordet. Die Anzahl extrem rechter Übergriffe hat Friedrichshain nach ganz oben auf die Rangliste extrem rechter Übergriffe katapultiert

Dass gerade in einer Gegend, die für viele alternativ denkende Menschen Wohn- und Freizeitort ist, extrem rechte Übergriffe an der Tagesordnung sind, scheint auf den ersten Blick verwunderlich. Doch gerade die Kneipenstruktur, die sich in den letzten Jahren zunehmend entwickelt hat, sowie die Bars und Diskotheken locken rechtsoffene, rechtsextreme Jugendliche und auch Hools in den Friedrichshainer Kiez. Dort treffen jene auf Menschen, die sie dann aufgrund deren vermeintliches Anderssein anpöbeln, angreifen und zum Teil schwer verletzen.

Betroffen sind zumeist genau die, die diesen Bezirk ausmachen: ehemalige Hausbesetzer_innen, Punks, Transgender Menschen, Migrannt_innen und viele mehr. Da die gesamtgesellschaftlich Akzeptanz steigt, Angriffe auf sozial schwache Menschen zu tolerieren, werden diese Übergriffe immer öfter auch in Friedrichshain geduldet, denn es trifft ja genau die, die der Gesellschaft eh ein Dorn im Auge sind.

(K)ein neues Problem
Zudem sind Neonazis nicht immer als solche zu erkennen. Der Style hat sich geändert, Nazis unterscheiden sich in ihrer Kleidung nicht mehr von Alternativen Jugendlichen und wenn Rassismus und Fremdenfeindlichkeit mehr gesellschaftliche Akzeptanz finden, dann fallen Nazisprüche in einer Kneipe kaum noch auf. Zumeist merken die Betreiber nicht einmal mehr den Unterschied zwischen Alltagsrassisten, rechtsoffenen und extrem rechten Jugendlichen. Dies führt zu dem Problem, dass sich in Berlin offene Rückzugsräume für gewaltbereite extrem rechte Jugendliche bilden wie z.B. das Jeton oder die Ambrosius Bierbar.

Die Großraumdiskothek Jeton ist eine der Locations, wo extrem Rechte nicht nur akzeptiert werden, sondern nach Übergriffen sogar Zuflucht finden. Während der Biermeile sammelten sich dutzende stadtbekannte Neonazis um den Ambrosius Bierbarstand und suchten die Bar auch gerne mal am Wochenende auf. Problematisch ist, dass sich inzwischen immer mehr Jugendliche an den rechten Gewalttaten beteiligen und so die Akzeptanz für extrem rechte Gewalttaten und Ideologie gestiegen ist.

Dass rechte Übergriffe einfach verharmlost werden, ist in Deutschland Normalität. Auch in Berlin werden rechte Gewalttaten kaum und meist gar nicht in den Medien erwähnt und sind äußerst selten Thema in der aktuellen politischen Diskussion. Stattdessen setzt der Staat im Jahr 2007 immer größere Geschütze gegen jene Leute ein, die sich dagegen zur Wehr setzten. So kam es bundesweit in diesem Jahr zu massenhaften Durchsuchungen linker Projekte, Läden, Archiven, Veranstaltungsräume, Wohnungen und Treffpunkte im Rahmen von mehreren §129a (Paragraph über die Bildung einer terroristischen Vereinigung) Verfahren.

Ziel der Bundesstaatsanwaltschaft ist es, in allen Verfahren linken Widerstand als Terrorismus zu kriminalisieren und so den Pool an Überwachungsmöglichkeiten auszunutzen, um linke Strukturen zu durchleuchten. Auch geraten linke Haus-, Veranstaltungs- und Wohnprojekte immer weiter unter den Druck des staatlichen Repressionsapparates. So gab es dieses Jahr mehrere Razzien u. a. in der Köpi und der Brunnenstraße mit dem Ziel alternative Lebensweisen zu kriminalisieren und Spekulant_innen und Hausbesitzer_innen den Weg frei zu machen.

Gerade in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg werden alternative Projekte zur Zeit massiv unter Druck gesetzt. Wir brauchen jedoch alternative Kultur, um uns gegen den Rechtsruck vom Mainstream zu wehren, Schutzräume für Betroffene von extrem rechter Gewalt zu gewährleisten und ein wenig Subkultur zu bilden.

Auf die Straße! Get up – Stand up
Es ist wichtig, trotz Vertreibung linker Projekte und verstärkter staatlicher Repression ein klares und unmissverständliches Zeichen zu setzen: Wir werden die Straße nicht rechtsextremen Schlägern und faschistischer Ideologie überlassen! Wir werden auch nicht hinnehmen, dass extrem rechte Übergriffe als harmlos abgetan werden, während in deutschen Abschiebeknästen tausende Menschen auf ihre Abschiebung in Hunger, Folter, Vergewaltigung oder Tod warten! Genauso wenig werden wir tatenlos zusehen wie in diesem Land Armut produziert wird und rassistische Gesetze beschlossen werden, ebenso wie wir der Kriminalisierung von linkem Widerstand entschlossen und solidarisch entgegentreten werden!

Wir sind mit allen linken Hausprojekten und Wagenplätzen solidarisch! Wir fordern den Erhalt der Köpi, der Liebig 34, der Rigaer 94 und 84, der Brunnenstr. 183, des Schwarzen Kanals und dem New Yorck.

Heraus zur Silvio-Meier-Demo 2007!
Keine Rückzugsräume für Faschisten!
Solidarität mit allen Angeklagten der 129a Verfahren und Freiheit für die inhaftierten linken Aktivisten!
Zusammen gehört uns die Zukunft – Antifa heißt Angriff!


Silvio-Meier-Bündnis, Oktober 2007


Mahnwache Mittwoch | 21.11.07 | 17h | U-Bhf Samariter Straße | Kerzen mitbringen
Demo Samstag | 24. 11.07 | 16h | U-Bhf Samariter Straße
Party Samstag | 24.11.07 | 22h | K9 Kinzigstraße 9 | mit DJ Joshi (ZSK) & Julio80


Tags:  Silvio Meier, Silvio-Meier-Demo, Berlin, Friedrichshain, Antifa, Demo

Antiberliner

  • NEU: Antiberliner zur Schuldenkrise

    Schwerpunkte der 31. Ausgabe des Antiberliners sind die Schuldenkrise, aber auch das doppelgesichtige Verhältnis des Staates zu sozialen Bewegungen wie Occupy, S21, Anti-Atom und anderen. Außerdem befasst sich ein Artikel mit weiblichen Rollenklischees im Profisport. Auf der Antifa-Seite wird…


    Weiter Lesen
www.antifa-versand.de
www.dresden-nazifrei.com

www.sachsendrehtfreistaat.blogsport.de
  • Drei Neue Kapuzis bei Red Stuff

    Der Sommer neigt sich dem Ende und der Herbst klopft bereits an die Tür. Viele tauschen T-Shirts gegen Pulli und Jacke - oder gegen die neuen Kapuzenpullis vom Antifa Versand Red Stuff. Zuerst gab es die…


    Weiter Lesen

Hintergrundinfos und Broschüren

  • Broschüre "Total Extrem" als PDF

    In einer neuen Broschüre "Total Extrem" [PDF] informiert die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) über die so genannte Totalitarismus- und Extremismusideologie. Diese setzt Links und Rechts gleich, verharmlost so die Gefahr von Neonazismus und ist explizit gegen linke,…


    Weiter Lesen
  • Zwei Schritte vor in Dortmund

    Auswertung von Dortmund stellt sich quer zu den Protesten gegen den Neonaziaufmarsch zum sog. „nationalen Antikriegstag“ am 3. September 2011 [Text als PDF].Am 3. September 2011 zogen mehrere hundert Neonazis durch die Dortmunder…


    Weiter Lesen
  • Kampangne: War starts here

    Markieren, Blockieren und Sabotieren. Kampagne gegen die kriegerische NormalitätWir rufen auf, aktiv einzugreifen in die kriegerische Normalität und die zahllosen zivilmilitärischen Verflechtungen. Der Fokus unserer Kampagne liegt auf der erweiterten Infrastruktur und der ideologischen Legitimierung von militärischer Gewalt.…


    Weiter Lesen
  • Vor 70 Jahren: Krieg gegen die SU

    Vor 70 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel Nazi-Deutschland die Sowjetunion. Für die dortige Bevölkerung begann ein fast vierjähriger Überlebenskampf: Die "jüdisch-bolschewistische" Staats- und Gesellschaftsordnung sollte ausgerottet werden. Die Sowjetbürger waren den den Jagd- und Mordkommandos der Wehrmacht ausgesetzt.…


    Weiter Lesen
  • Broschüre zu den "G 20" (PDF)

    Im Ok­to­ber 2011 er­schien in Rah­men der Mo­bi­li­sie­rung zur über­re­gio­na­len an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen De­mons­tra­ti­on am 5.​11.2011 in Frei­burg eine Bro­schü­re zur The­ma­tik. Auf 16 Sei­ten wird die Rolle der G20 be­leuch­tet, die Aus­wir­kun­gen die­ser Po­li­tik und die Ge­gen­be­we­gung…


    Weiter Lesen
  • Heft zu Krieg, Krise & Kapitalismus

    Deutschland führt seit Langem wieder Krieg. Die Bundeswehr ist aktuell mit über 6 500 Soldaten weltweit an Kriegseinsätzen beteiligt. In Afghanistan, im Kosovo und vor der Küste Somalias setzt sie die Interessen des deutschen Kapitals durch und sichert den…


    Weiter Lesen
  • Broschüre: 100 Jahre Frauentag

    Begleitend zu Aktivitäten rund um den 8. März 2011, dem 100. Internationalen Frauentag, hat ein Bündnis linksradikaler, sozialistischer und kommunistischer Gruppen eine Broschüre zur Geschichte und zu aktuellen Kämpfen erarbeitet. Das Heft soll grade jüngeren Genossinnen und Genossen den Einstieg in das…


    Weiter Lesen
  • Neu: Heft zum Afghanistan-Krieg

    Anlässlich der Mobilisierung gegen die SiKo und die Mandatsverlängerung 2011 gibt es eine Neuauflage einer Broschüre zum Afghanistankrieg [PDF]. Das Heft - erstmalig im Jahr 2008 erschienen - beschäftigt sich unter anderem mit der aktuellen Situation in Afghanistan,…


    Weiter Lesen
  • Broschüre zum mg-Verfahren

    Nach drei Jahren Solidaritätsarbeit und der Verurteilung von Axel, Florian und Oliver wegen versuchter Brandstiftung an Bundeswehr-LKW im Berliner mg-Prozess legt das Einstellungsbündnis sein Resümee vor. Die Soli-Gruppe beschreibt unter anderem die verschiedenen Linien und Fallstricke der Soli-Arbeit, die…


    Weiter Lesen
  • Mitglied werden in der Roten Hilfe

    Die Rote Hilfe ist eine strömungsübergreife Solidaritäts- und Antirepressionsorganisation. Sie informiert über Verfolgung gegen Linke in der BRD und international. Zudem unterstützt sie Personen, die von Repression betroffen sind. Sie steht euch mit Beratung, anwaltlicher Betreuung…


    Weiter Lesen
  • Debatte: Krise, Protest, Widerstand

    Wir dokumentieren einen Beitrag des Historikers und Sozialforschers Karl Heinz Roth unter dem Titel Globale Krise – Globale Proletarisierung – Gegenperspektiven.Der Beitrag beschreibt wissenschaftlich, ausführlich und doch kompakt und verständlich die Hintergründe…


    Weiter Lesen
Labournet Germany