13. März 2007

Jugendaufruf zum 1. Mai

geschrieben von Antifaschistische Linke Berlin
1. Mai – Tag der Arbeit?
„Tag der Arbeit“ steht in den Kalendern, dabei ist dieser Tag arbeitsfrei. Es ist der Tag, an dem statt gearbeitet mitunter demonstriert wird. Also auch kein Feiertag im klassischen Sinne. Seit dem 1. Mai 1889 wird dieser Tag international begangen. Es ging und geht auch heute darum, sich das Recht zu nehmen, politische und soziale Forderungen auf die Straße zu tragen – und das in den meisten Ländern der Welt. Forderungen wie mehr Lohn, Verkürzung des Arbeitstages, keine Sparmaßnahmen im Schul- und Bildungsbereich, Bleiberecht für Flüchtlinge, gleiche Rechte für Alle, gegen Krieg usw. Diese Forderungen – radikal oder weniger radikal – bestimmen die Demonstrationen am 1. Mai. Der 1. Mai ist sozusagen der Tag der Gesellschaftskritik.

Und dass es an dieser Gesellschaft einiges zu kritisieren gibt, ist ja kaum zu übersehen. Der Kapitalismus, in dem wir leben, ist ein Gesellschaftssystem, das auf Ausbeutung beruht. Wie der Name schon erahnen lässt, geht es in diesem System darum, Kapital zu erwirtschaften. Doch fällt dieser Profit nicht einfach vom Himmel, sondern wird erst möglich, wenn die Produktion und Verteilung von Gütern ungleich erfolgen. Wie ungleich diese Verteilung ist, sieht man schon daran, dass wenige reiche Länder mehr besitzen als alle armen Länder zusammengenommen. Diese Art der ungerechten und ungleichen Produktion und Verteilung von Waren ist der Motor der Gesellschaft. Denn so entsteht Profit, und dieser bestimmt die Richtung ihrer Entwicklung. Diesem Streben nach Profit wird alles andere, was das Leben betrifft, untergeordnet und dienstbar gemacht. Das gesamte gesellschaftliche Leben, die Beziehungen der Menschen zueinander, Arbeit und Freizeit und auch die Schule wird davon geprägt. In der Schule wird man fit gemacht für die Ellenbogengesellschaft und das Arbeitsleben. Konkurrenzverhalten und egoistisches Streben nach Noten oder Punkten herrschen vor. Eigene Gedanken und Kreativität sind nur in diesem engen Rahmen erwünscht. Alles, was den Rahmen sprengen würde, wird mehr oder weniger stark sanktioniert. Die Menschen sind in diesem System also nicht frei. Sondern sie sind gezwungen, den ganzen Tag Sachen zu machen, die sie eigentlich gar nicht machen wollen. Der Zwangscharakter dieses alltäglichen automatisierten Ablaufes – Aufstehen, Arbeit, Schlafengehen – wird durch Mechanismen verschleiert, die den Menschen von Geburt an prägen. Diese Mechanismen (Erziehung, Schule, Ausbildung, Wehrdienst, Zivildienst) haben die Funktion, die persönlichen Bedürfnisse den gesellschaftlichen Anforderungen anzupassen. Der Mensch wird in einen gesellschaftlichen Kontext geboren, der immer seinen Charakter und sein Handeln bestimmt. Diese gesellschaftliche Ordnung drückt sich in seinem Denken und im Umgang mit anderen Menschen aus und wird somit vom Menschen neu produziert. Aufgrund dieses Verhältnisses lässt es sich nicht zwischen Manipulierten und Manipulierern unterscheiden. Im Klartext bedeutet dies, dass die Menschen ihre Lohnarbeit nicht als Zwang begreifen, sondern als individuelle Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. Auch wenn Ausbeutung sich ein bisschen so anhört, als wären wir noch im Mittelalter, so ist dieser Begriff doch zutreffend. Schließlich sind die meisten Menschen, die eben nicht Möglichkeiten und Mittel haben, andere für sich arbeiten zu lassen, gezwungen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Unter Ausbeutung versteht man die Tatsache, dass die Arbeiter nur einen Teil des von ihnen produzierten Reichtums behalten können. Ihr Lohn richtet sich danach, was nötig ist, um ihre Arbeitskraft zu erhalten. Dabei steht aber allein die Arbeitskraft im Mittelpunkt und nicht der Mensch. Sind die Arbeiter so arm, dass sie unter allen Umständen arbeiten müssen, kann der Lohn auch so dermaßen gering sein, dass er nur für das Allernötigste reicht. Letztlich eignet sich der Arbeitgeber fremde Arbeit an und bezahlt sie nur insoweit, wie sein Profit gesichert ist. Ein Teil der Arbeit bleibt also unentgeltlich. In solch einem System blühen rassistische Vorurteile und Nationalismus. Der Stärkere setzt sich durch, Minderheiten werden ausgegrenzt. Nach oben buckeln und nach unten treten – so lautet die Devise. Diese wirtschaftlichen Grundsätze übertragen sich durch alltägliche Erfahrungen auf das Zusammenleben und das Weltbild vieler Menschen. Alle, die andere Perspektiven zu leben versuchen, gehen am 1. Mai auf die Straße, um dort ihren Ideen und Vorstellungen zum Ausdruck zu verhelfen. Denn was zuviel ist, ist zuviel!

So, wie es ist, soll es nicht bleiben…
Das wichtigste, was mit den Demonstrationen und teils auch militanten Protesten am 1. Mai ausgedrückt wird, ist der Wille, diese Welt zu verändern. Denn alle, die sich irgendwie als links bezeichnen, gehen von der Veränderbarkeit des Bestehenden aus. Wer aber die bestehenden Verhältnisse als naturgegeben ansieht und wer Armut, Unterdrückung und Rassismus deshalb hinnimmt, weil man sowieso nichts ausrichten kann, der sorgt mit dafür, dass die Welt so bleibt, wie sie ist… Auch wenn am 1. Mai nicht die Revolution ausgerufen wird, ist es trotzdem wichtig, eine radikale Veränderung der Gesellschaft anzustreben. Am 1. Mai muss den Politikern und Wirtschaftsbossen gezeigt werden, dass es eine Bewegung gibt, die in Politik und Gesellschaft im Sinne einer antikapitalistischen Perspektive eingreifen will. Es gibt viele Menschen, die sich nicht einfach stumpf regieren lassen wollen, sondern selbst Politik auf der Straße machen. So wird an Tagen wie am 1. Mai eine Stimmung geschaffen, die die Kritik am kapitalistischen System und dessen Verwertungslogik wieder laut werden lässt. Eine Kritik, die den Kapitalismus nicht als der Weisheit letzten Schluss ansieht, sondern Perspektiven eines anderen solidarischen Lebens aufzeigt. Diese Ideen werden auf den 1. Mai-Demos immer mit aktuellen politischen Forderungen verknüpft. Nur wenige Wochen nach dem diesjährigen 1. Mai, im Juni 2007, gibt es erneut einen Grund, seinen Protest gegen die herrschende Politik zum Ausdruck zu bringen. Dann treffen sich in Heiligendamm (Mecklenburg Vorpommern) die Vertreter der wichtigsten Industriestaaten auf dem sogenannten G8-Gipfel. Natürlich tagen sie in einem noblen Hotel und werden dort eine Politik beschließen, die für die meisten Menschen dieser Welt noch mehr Ausbeutung und Unterdrückung auf Kosten der Umwelt bedeutet. Viele Linke aus verschiedensten Ländern werden dagegen ihren Widerstand auf die Straße tragen. Auch aus Berlin werden Busse nach Heiligendamm fahren, wo zehntausende Demonstranten den Herrschenden in die Suppe spucken werden.

1. Mai – Auf die Straße, aber Nazifrei!
Der 1. Mai steht für die Ideen der Linken: Selbstbestimmung, Gleichheit und die Unzulässigkeit jeder Form der Bevormundung. Diese linken Ideen stehen im Gegensatz zu den Zielen der Nazis. Für die ist es angeblich naturgegeben, dass es Menschen gibt, die mehr wert sind als andere und die deshalb vermeintlich mehr Ansprüche hätten. Für die Nazis sind also Menschen von Natur aus nicht gleichviel wert und deshalb hetzten sie gegen Migranten. Deshalb ist klar, dass den Nazis eine offensive linke Politik entgegengesetzt werden muss. Gegen ein menschenverachtendes Weltbild setzen wir die Idee vom freien Menschen in einer Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung! Wer sich dazu bekennt, Nazi zu sein, der ist kein bemitleidenswerter Jugendlicher, der seinen Weg nur noch nicht gefunden hat. So einer muss damit rechnen, Probleme zu bekommen, da Linke und Antifas es nicht hinnehmen werden, dass rassistische und neonazistische Ideologie ungestört propagiert werden kann. Es ist wichtig, dass sich mehr Menschen eindeutig gegen Nazis positionieren. Denn dem zunehmenden Rechtstrend in der Gesellschaft muss etwas entgegengesetzt werden. Gerade am 1. Mai – dem Tag, der für globale Solidarität und das Prinzip „Alles für Alle“ steht – ist es eine zwingende Notwendigkeit, dass gegen Rassismus und Nationalismus Position bezogen wird. Die Nazis haben am 1. Mai nämlich nichts auf der Straße verloren – und an allen anderen Tagen des Jahres natürlich auch nichts…

Antifaschistische Initiative Reinickendorf [AIR]
Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken (Bezirksorganisationen Berlin-Mitte und Berlin-Reinickendorf)
Antifaschistische Linke Berlin [ALB]


Termine:

1. Mai 2007
Wenn Naziaufmarsch, dann verhindern!
Aktuelle Infos: www.antifa.de und am 1. Mai beim Antifa-Infotelefon: (030) 27 56 07 56

Mayday
14 Uhr Lausitzer Platz (Berlin-Kreuzberg)

Revolutionäre 1. Mai-Demo:
18 Uhr Lausitzer Platz (Berlin-Kreuzberg)
Auftaktkundgebung mit Konzert ab 17 Uhr

Antiberliner

  • NEU: Antiberliner zur Schuldenkrise

    Schwerpunkte der 31. Ausgabe des Antiberliners sind die Schuldenkrise, aber auch das doppelgesichtige Verhältnis des Staates zu sozialen Bewegungen wie Occupy, S21, Anti-Atom und anderen. Außerdem befasst sich ein Artikel mit weiblichen Rollenklischees im Profisport. Auf der Antifa-Seite wird…


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www.antifa-versand.de
www.dresden-nazifrei.com

www.sachsendrehtfreistaat.blogsport.de
  • Drei Neue Kapuzis bei Red Stuff

    Der Sommer neigt sich dem Ende und der Herbst klopft bereits an die Tür. Viele tauschen T-Shirts gegen Pulli und Jacke - oder gegen die neuen Kapuzenpullis vom Antifa Versand Red Stuff. Zuerst gab es die…


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Hintergrundinfos und Broschüren

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    In einer neuen Broschüre "Total Extrem" [PDF] informiert die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) über die so genannte Totalitarismus- und Extremismusideologie. Diese setzt Links und Rechts gleich, verharmlost so die Gefahr von Neonazismus und ist explizit gegen linke,…


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    Auswertung von Dortmund stellt sich quer zu den Protesten gegen den Neonaziaufmarsch zum sog. „nationalen Antikriegstag“ am 3. September 2011 [Text als PDF].Am 3. September 2011 zogen mehrere hundert Neonazis durch die Dortmunder…


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  • Kampangne: War starts here

    Markieren, Blockieren und Sabotieren. Kampagne gegen die kriegerische NormalitätWir rufen auf, aktiv einzugreifen in die kriegerische Normalität und die zahllosen zivilmilitärischen Verflechtungen. Der Fokus unserer Kampagne liegt auf der erweiterten Infrastruktur und der ideologischen Legitimierung von militärischer Gewalt.…


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  • Vor 70 Jahren: Krieg gegen die SU

    Vor 70 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel Nazi-Deutschland die Sowjetunion. Für die dortige Bevölkerung begann ein fast vierjähriger Überlebenskampf: Die "jüdisch-bolschewistische" Staats- und Gesellschaftsordnung sollte ausgerottet werden. Die Sowjetbürger waren den den Jagd- und Mordkommandos der Wehrmacht ausgesetzt.…


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  • Broschüre zu den "G 20" (PDF)

    Im Ok­to­ber 2011 er­schien in Rah­men der Mo­bi­li­sie­rung zur über­re­gio­na­len an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen De­mons­tra­ti­on am 5.​11.2011 in Frei­burg eine Bro­schü­re zur The­ma­tik. Auf 16 Sei­ten wird die Rolle der G20 be­leuch­tet, die Aus­wir­kun­gen die­ser Po­li­tik und die Ge­gen­be­we­gung…


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  • Heft zu Krieg, Krise & Kapitalismus

    Deutschland führt seit Langem wieder Krieg. Die Bundeswehr ist aktuell mit über 6 500 Soldaten weltweit an Kriegseinsätzen beteiligt. In Afghanistan, im Kosovo und vor der Küste Somalias setzt sie die Interessen des deutschen Kapitals durch und sichert den…


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  • Broschüre: 100 Jahre Frauentag

    Begleitend zu Aktivitäten rund um den 8. März 2011, dem 100. Internationalen Frauentag, hat ein Bündnis linksradikaler, sozialistischer und kommunistischer Gruppen eine Broschüre zur Geschichte und zu aktuellen Kämpfen erarbeitet. Das Heft soll grade jüngeren Genossinnen und Genossen den Einstieg in das…


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  • Neu: Heft zum Afghanistan-Krieg

    Anlässlich der Mobilisierung gegen die SiKo und die Mandatsverlängerung 2011 gibt es eine Neuauflage einer Broschüre zum Afghanistankrieg [PDF]. Das Heft - erstmalig im Jahr 2008 erschienen - beschäftigt sich unter anderem mit der aktuellen Situation in Afghanistan,…


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  • Broschüre zum mg-Verfahren

    Nach drei Jahren Solidaritätsarbeit und der Verurteilung von Axel, Florian und Oliver wegen versuchter Brandstiftung an Bundeswehr-LKW im Berliner mg-Prozess legt das Einstellungsbündnis sein Resümee vor. Die Soli-Gruppe beschreibt unter anderem die verschiedenen Linien und Fallstricke der Soli-Arbeit, die…


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  • Mitglied werden in der Roten Hilfe

    Die Rote Hilfe ist eine strömungsübergreife Solidaritäts- und Antirepressionsorganisation. Sie informiert über Verfolgung gegen Linke in der BRD und international. Zudem unterstützt sie Personen, die von Repression betroffen sind. Sie steht euch mit Beratung, anwaltlicher Betreuung…


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  • Debatte: Krise, Protest, Widerstand

    Wir dokumentieren einen Beitrag des Historikers und Sozialforschers Karl Heinz Roth unter dem Titel Globale Krise – Globale Proletarisierung – Gegenperspektiven.Der Beitrag beschreibt wissenschaftlich, ausführlich und doch kompakt und verständlich die Hintergründe…


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