18. Oktober 2005

Potsdam: Nazis stoppen

geschrieben von Antifaschistische Linke Berlin
Am 5.11. wollen Neonazis aus dem Spektrum der Freien Kameradschaften in Potsdam aufmarschieren. Anmelder ist der Berufsnazi Christian Worch, der schon vor einem Jahr eine Demonstration in Potsdam durchführte.
Damals konnten Antifaschisten verhindern, dass die vornehmlich aus Berlin und Brandenburg rekrutierten Nazis durch die Potsdamer Innenstadt marschieren. Obwohl die Polizei gewalttätig gegen Blockaden der Demonstrationsroute vorging, konnte eine Situation geschaffen werden, die es den Rechten unmöglich machte ins Stadtzentrum zu gelangen. An diesen Erfolg gilt es anzuknüpfen. Denn insbesondere Potsdam wurde in diesem Jahr zum Brennpunkt von Nazi-Aktivitäten.

In Brandenburgs Hauptstadt kam es vermehrt zu Übergriffen durch rechte Schläger. Neben Migranten wurden vor allem Linke zum Ziel solcher Angriffe. Die für ihre Brutalität bekannte Potsdamer Naziszene wurde hierbei nicht selten von ihren Kameraden aus Berlin unterstützt. Diese lagerten ihr Aktionsfeld vermehrt nach Potsdam aus, nachdem im März die beiden aktivsten Berliner Neonazi-Kameradschaften verboten wurden.

Bereits im Mai verschafften sie sich gewaltsam Zutritt zum Prozess gegen zwei rechte Brandstifter im Potsdamer Amtsgericht und bedrohten dort Prozessbeobachter und Zeugen. Im Juni, bei einem Prozess gegen drei Potsdamer Neonazis, waren an verschiedenen Verhandlungstagen bis zu 60 rechte Unterstützer vor Ort. Auch hier gab es Versuche die Zeugen einzuschüchtern. Parallel zu diesen Aktivitäten kam es immer wieder zu Übergriffen auf Linke. Trauriger Höhepunkt war ein Angriff von 15 Nazis auf zwei junge Männer, die sie der linken Szene zurechneten. Eines der Opfer wurde mit einer zerschlagenen Flasche ins Gesicht geschnitten, der Andere musste über Tage stationär behandelt werden, da er bereits am Boden liegend mehrfach auf den Kopf getreten wurde. Insgesamt wurden Mitte des Jahres mehr als ein dutzend ähnlicher Angriffe bekannt.

Diesem durch die Neonazis erzeugten, gewalttätigen Klima in Brandenburgs Hauptstadt steht leider nur ein Fall von antifaschistischem Selbstschutz gegenüber. Da hierbei ein Nazi-Schläger leicht verletzt wurde, leitete die Staatsanwaltschaft Verfahren wegen versuchten Mordes ein. Fünf Antifaschisten sind hiervon betroffen, eine Person sitzt noch immer in Untersuchungshaft. Lokalpolitiker und Presse nahmen dies zum Anlass um eine »Gewaltspirale« zwischen rechten und linken Jugendlichen zu konstruieren. Die Polizei richtete postwendend eine »Ermittlungsgruppe Potsdam« ein, um »die wechselseitigen Gewaltstraftaten« aufzuklären. So sachlich falsch wie diese Gleichsetzung von rechter Gewalt und antifaschistischer Gegenwehr ist, so sehr ist sie politisch gewollt. Sie legitimiert die eigene Unfähigkeit dem Nazi-Terror entgegen zu wirken, indem sie die Opfer rechter Gewalt auf eine Stufe mit den Tätern stellt. Zudem verschleiert die Darstellung von rivalisierenden Jugendbanden den politischen Gehalt dieser Taten. Die notwendige Auseinandersetzung mit dem Problem neonazistischer Gewalt, als einem Problem, das aus der Mitte der Gesellschaft kommt, wird damit hinfällig. Doch vermeintlich Minderwertige physisch anzugreifen ist lediglich die extremste Umsetzung kapitalistischer Verwertungslogik. Einer Logik, die Menschen in nützlich und unnützlich einteilen lässt und die ihren Ausdruck auch in der bürgerlichen Hetze gegen sozial Schwache findet.

Antifaschistische Gegenwehr hingegen resultiert nicht aus dieser vorgenommenen Unterteilung der Menschen in verschiedene Wertigkeiten und der einher gehenden, eigenen Verortung als Übermensch. Sie ist berechtigt, da sie eben diesen Mythos der Überlegenheit zu brechen versucht. Sie soll helfen, das durch die Nazis erzeugte Bedrohungsszenario gemeinsam und offensiv zu überwinden, darf aber niemals zum Selbstzweck verkommen.

Sowohl die rechten Übergriffe, als auch die Kriminalisierung von antifaschistischem Widerstand sind Angriffe gegen linke Stukturen. Dem gilt es mit den geeigneten Mitteln entgegen zu treten, auf allen Ebenen. Lasst uns die Nazis gemeinsam stoppen, am 5.11. und jeden Tag.

antifaschistische linke berlin :: alb ::

Naziaufmarsch auflösen. Antifa heißt Angriff.
Keine Nazis in Potsdam und anderswo.

5. Nov. I 12h I Luisenplatz-Potsdam

Treffpunkt Berlin: 11.15h I Ostbahnhof I RE-Gleis

Infos unter www.antifa.de oder www.inforiot.de

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