Nazi-Demo am 30.10.04 in Potsdam kippen!
Potsdam, ein Hort des linken Terrors?
Gerne würden wir von der Stadt Häuser zur Verfügung gestellt bekommen, faul auf der Haut liegen oder wilde Partys feiern, Nazis verjagen und dafür Geld kriegen oder Abschiebepolitik verhindern und dann noch unterstützt werden. Doch die Potsdamer Realität sieht anders aus: Seit der Wiedervereinigung wurden ganze Häuserblocks, in denen versucht wurde eine linke Gegenkultur zu schaffen, von den Bullen geräumt. Allein in diesem Jahr gab es mehr als 13 Angriffe von Nazis auf Flüchtlinge und linke Jugendliche. Es gibt Gegenden in Potsdam, die in den Abendstunden für Flüchtlinge quasi nicht betretbar sind. Zahlreiche Festnahmen, Alkoholkontrollen und andere Schikane müssen wir uns von der Bullen bieten lassen, wenn wir abends durch die Innenstadt laufen. So helfen uns auch keine warmen Worte gegen Rechtsextremismus von Seiten der Stadt, sondern nur eine konsequent antifaschistische Politik, die Nazis keinen Raum lässt
Wenn du mal einen Anmelder brauchst, hohl dir Worch, den Storch!
Worch, der als Anmelder in Erscheinung tritt, plant mit etwa 150 KameradInnen vom Lustgarten aus, sich den Weg durch die Innenstadt bahnen zu lassen. Er ist seit Ende der 70er Jahre in der extremen Rechten aktiv und hat sich seitdem als führende Kraft etabliert. Im Gegensatz zu vielen seiner Kameraden und Kameradinnen ist er weiterhin davon überzeugt, dass man nur mittels einer straff durchorganisierten Kameradschaftsszene politisch auftrumpfen kann. Ehemalige Mitstreiter von ihm, wie der Schläger Thomas Wulff, sehen das mittlerweile anders, letztgenannter trat erst kürzlich der sächsischen NPD bei. Anders als Gordon Reinholz, welcher auch als Redner auftreten soll, arbeitet Christian Worch überregional. Reinholz und seine Arbeit als Vorsitzender beim "Märkischen Heimatschutz" (MHS) sind deshalb aber nicht weniger gefährlich. Bereits am 16. Oktober 2003 kam es zu Durchsuchungen der Räumlichkeiten Reinholzs. Dabei soll laut Presse umfangreiches Beweismaterial, unter anderem „schwarze Listen“ mit persönlichen Daten politischer GegnerInnen, beschlagnahmt worden sein.Die politischen Aktivitäten reduzieren sich auf das Land Brandenburg.
Als dritter Redner soll der am 18. April 2004 bei Wehrsportübungen in einem Waldstück bei Finowfurt festgenommene Eckart Bräuniger auftreten. Dieser bewegte sich in Kreisen der mittlerweile verbotenen Organisationen "FAP" und "Blood & Honour". Die "FAP" ist die "Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei", die sich 1979 gründete und am 24.2.1995 verboten wurde. "Blood & Honour" ist eine in den 80er Jahren entstandene Bewegung autonomer Neonazis, welche sich besonders durch ihre Militanz auszeichnen und ihre Anhängerschaft mittels rechtsradikaler Musik an sich binden. So gelingt es ihnen vor allem politisch bisher wenig gefestigte Jugendliche anzusprechen. Aber auch die örtliche Neonaziszene ist für ihre Verbindung zu "Blood & Honour" bekannt und trägt dies offen zur Schau. Manche in den Nacken tätowiert wie Jens Franke, andere indem sie sich z.B. auf dem Cover der Naziband Proissenheads grüssen lassen, wie eine der führenden Köpfe der Potsdamer Anti-Antifaszene, Melanie Witassek.
Wenn die Anti- Antifa nicht weiter weiß …
Die lokale Anti-Antifa macht vor allem dadurch auf sich aufmerksam, dass sie scheinbar keinerlei Repressionsängste hat. So dürfte ein großer Teil der rechtsextremistisch motivierten Straftaten in Potsdam auf das Konto dieser Gruppe gehen. Ob am helllichten Tag oder tief in der Nacht, gemeinschaftlich oder alleine, das Auftreten dieser Gruppe ist an Dreistigkeit kaum mehr zu überbieten. Schon vor ein paar Wochen, bei einer antifaschistischen Demonstration in Klein-Machnow, die u.a. am Haus von Horst Mahler vorbeiführte, waren sie Mitorganisationen einer Gegendemonstration. Letztendlich lief das ganze zwar auf eine Grillfeier bei Horst Mahler hinaus, aber ein politisch eindeutiges Signal war gesetzt. Durch gemeinschaftliche Auftritte bei oben genannter Grillfeier oder einem Gerichtstermin gegen besagte Witassek wurde ebenfalls deutlich, dass sich die örtliche Naziszene stark an der Berliner orientiert und sich an diese bindet. So sieht man das Potsdamer ca. 20 Personen umfassende Anti-Antifa-Spektrum zumeist zusammen mit der Berliner Kameradschaft Tor und dem MHS.
Dieser Aufmarsch, der vor allem in den ostzonalen Bundesgebieten beworben wird, soll eine Zäsur bewirken. Was bisher nicht gelang mittels im Internet veröffentlichter schwarzer Listen und verschiedensten Anschlägen und Übergriffen, soll jetzt endlich erreicht werden, die Einschüchterung jeglicher antifaschistischer Gegenkultur.
Den Nazis die Suppe versalzen!
Die Innenstadt wird uns gehören!
Naziaufmarsch kippen!
Antifa-Treffpunkt in Potsdam: 11.00 Uhr, Glockenspiel (Dortu- Ecke
Yorckstraße)
Zugtreffpunkt für Antifas aus Berlin: 10.30 Uhr, Alexanderplatz,
Gleis 2 (Abfahrt 10.37 Uhr)
• Antifa-Infotelefon ist am 30.10. unter folgender Nummer geschaltet:
0331 / 951 30 563
• Allgemeine Informationen gibt es ab sofort unter: 0178 / 3 22 22 38
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›› AK Antifa Potsdam
Aufruf Linkes Bündnis Potsdam: Faschismus bleibt ein Verbrechen!
Am 30.10.2004 soll Potsdam wieder einmal Schauplatz eines Neonaziaufmarsches
werden. Das Motto dieser Demo richtet sich „gegen Hetze und Terror von
links“. Anmelder ist Christian Worch, die Aktionsgruppe Potsdam-Mittelmark
dient als Veranstalterin. Als Redner sind Christian Worch, Eckart Bräuniger
und Gordon Reinholz vorgesehen.
Ein etwas genauerer Blick auf die illustre Runde wird das Motto als weiteren
Versuch der Neonazis entlarven, unter dem Mantel der weinerlichen Scheinheiligkeit
ihre Propaganda zu verbreiten, die eigenen Reihen zusammenzuschweißen
und mal wieder ein Stück Öffentlichkeit zu besetzen. In der Hoffnung,
dass bürgerliche Kreise auf diese Scheinheiligkeit reinfallen.
Die Aktionsgruppe Potsdam-Mittelmark und Anti-Antifa
Diese Aktionsgruppe ist in der letzten Zeit durch Verteilung von Worch-Propaganda
in Erscheinung getreten (von rechter Globalisierungskritik bis zu Horst-Wessel-Plakaten).
Die Aktionsgruppe ist auch Redaktion für den „Nationalen Beobachter
– Informationsblatt für das Havelland und die Region Potsdam-Mittelmark“.
Zumindest personelle Überschneidungen zur Anti-Antifa Potsdam sind offensichtlich.
Die Anti-Antifa Potsdam ist eine Gruppe, die aus brutalen Schlägern aber
auch unauffälligeren Personen besteht, die meist aus dem Potsdamer Umland
kommen und teilweise mittlerweile nach Berlin gezogen sind. Anfang 2004 sorgten
sie mit einer Homepage für Wirbel. Effektive Öffentlichkeitsarbeit
antifaschistischer Gruppen übte viel Druck auf den etwas unbedarften Haufen
aus. Diese Gruppe hat sich durch rege Beteiligung an Demos im gesamten Bundesgebiet
hervorgetan und ist auch bei den verschiedensten Angriffen auf Hausprojekte
und linke Jugendliche bekannt geworden. Nebenbei versuchen sie wahllos alternativ
aussehende Jugendliche zu fotografieren und einzuschüchtern. Die Homepage
ist mittlerweile überarbeitet: man bildet jetzt martialische Waffen ab,
stellt Bilder verschiedener Antifademos ins Netz und suggeriert ein „Anti-Antifa-Network
Germany“. Es werden zunehmend mehr Personen dort aufgelistet, aber insgesamt
ist die ausgestellte Datenmenge beliebig und fehlerhaft.
Es ist davon auszugehen, dass die zunehmende antifaschistische Gegenwehr durch
Öffentlichkeitsarbeit auch Anlass für den weinerlichen Auftritt der
Nazis in der Opferrolle ist.
Christian Worch ...
... hat bereits eine lange rechtsextreme Karriere seit den 70er Jahren hinter
sich (er war ein enger Wegefährte von Michael Kühnen) und ist auch
schon einschlägig vorbestraft. Er galt lange als wichtiger Mittler zwischen
Freien Kameradschaften und der NPD, mit letzterer hat er sich aber verstritten.
Mittlerweile wird er als wichtiger Vordenker im Neonazispektrum der freien Kameradschaften
eingestuft und meldet ständig Aufmärsche an.
Eckart Bräuniger ...
... war in diversen rechtsextremen Organisationen wie FAP und Blood&Honour
aktiv, kämpfte mit anderen Neonazis als Söldner in Kroatien und ist
mittlerweile bei der NPD. Er ist bei mehreren Feiern der Naziskin-/Rockerszene
in Berlin gewesen. Als im April 2004 im Landkreis Barnim eine Wehrsportgruppe
enttarnt wurde, fehlte er ebenso wenig wie bei NPD-Infoständen und Demos
in Berlin in diesem Jahr.
Gordon Reinholz ...
... gründete im Jahr 2001 den Märkischen Heimatschutz (MHS) als Kameradschaftsnetzwerk
für den Nordosten Brandenburgs. Der MHS verfügt über etwa 30
Mitglieder, die sich zum Ziel gesetzt haben, durch bürgernahes, ziviles
und braves Auftreten eine rechte Jugendkultur zu etablieren. Hausdurchsuchungen
im Zusammenhang mit Anti-Antifa-Aktivitäten u.a. bei Gordon Reinholz belegen
jedoch, dass es mit den braven Jungs von nebenan nicht weit her ist. MHS-Mitglieder
versuchen derzeit, mit Neonazis der Berliner Kameradschaften Tor und Berliner
Alternative Süd-Ost (BASO) spontane Demos zu veranstalten und heften sich
sehr gerne an bürgerliche Montagsdemos.
Auf die Straße!
Hinter dem Aufmarsch am 30.10.04 in Potsdam stehen also einschlägig bekannte
Rechtsextremisten, die dem gesamten Bereich rechtsextremer Aktivitäten
nachgehen.
Obwohl Potsdam eine Stadt mit einem recht alternativen Ruf ist, sprechen insgesamt
15 bekannt gewordene körperliche Angriffe mit rechtem Hintergrund im Jahr
2003 für sich. Auch sonst belegen sämtliche Statistiken die Gefahr,
die von gewalttätigen Neonazis Tag für Tag ausgeht. Neonazis sind
mehr als ein unangenehmes Erscheinungsbild. Sie werden zur alltäglichen
Bedrohung von allen, die nicht in das eng definierte Toleranzspektrum der Neonazis
passen. Die augenblicklichen Bemühungen, sich zu organisieren und Anti-Antifa-Strukturen
in Potsdam aufzubauen, müssen zunichte gemacht werden.
In ihrem Aufruf regen sich die Neonazis über Potsdamer alternative Wohnprojekte
auf – dass es dabei nicht bleibt, erfahren die BewohnerInnen immer wieder:
Sachbeschädigungen, Schmierereien und verschiedenstes Propagandamaterial,
Pöbeleien aber auch gezielte Angriffe sind die alltäglichen Unannehmlichkeiten,
die die Existenz von Neonazis mit sich bringt.
In letzter Zeit versuchen sie verstärkt, so genannte „nationale Freiräume“
in Form von besetzten Häusern oder eigenen Jugendklubs zu schaffen. Lassen
wir es nicht drauf ankommen, zu erfahren, ob sie überhaupt fähig wären,
eine breite nationale Jugendkultur zu etablieren. Derzeit müssen sie sich
noch der Kopie und Annäherung an andere Jugendszenen bemühen, um attraktiv
für Nachwuchs zu sein. Es dürfte ja wohl klar sein, dass wir den Neonazis
keinen Raum für ihre Phantasien geben wollen.
Keinen Dialog mit Nazis!
Keinen Fußbreit den Faschisten!
Naziaufmarsch verhindern!
Für eine emanzipierte, antifaschistische Jugendkultur!
(Nationalfahnen sind nach Bekunden des Bündnisses auf den Antifa-Aktionen
nicht erwünscht.)
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