12. Juni 2012

Kriege fallen nicht vom Himmel

geschrieben von Antifaschistische Linke Berlin
Kriege fallen nicht vom Himmel. Sie sind nicht „Gottes Werk“, sondern werden von Menschen gemacht, die dabei handfeste Interessen verfolgen. Vorgespiegelte Ideale oder angeblich hehre Ziele sollen nur vom großen Raubzug ablenken.
 Auf einem ganz anderen Blatt stehen die Wahrnehmung des Rechts Angegriffener auf Verteidigung – ein Beispiel hierfür lieferte die Antihitlerkoalition aus Sowjetunion, der USA und Großbritannien gegen Nazideutschland – oder der Anspruch unterdrückter Klassen und Völker auf Befreiung von ihren Ausbeutern und Drangsalierern. Deren Sache ist aller Ehren wert.

Doch weder Sklavenhalter noch Feudalherren, von Kapitalisten ganz zu schweigen, haben wohl jemals gerechte Kriege geführt. Auch wenn sie sich ohne Unterlass auf die Moral berufen, war und ist ihr Handeln von höchster Amoralität. Das gilt besonders für den Imperialismus und dessen Spitzenpersonal.

Es trägt die Verantwortung für unzählige Massaker – von Verdun (Frankreich, 1916) über Oradour (Frankreich, 1944) bis Kundus (Afghanistan, 2009). Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat das kapitalistische System weiterhin Millionen Menschen in seinen überall auf der Welt angezettelten Kriegen abschlachten lassen. Deshalb besitzen dessen Wortführer auch keinerlei Legitimation, sich als Menschenrechtsapostel aufzuspielen.

Alle seit Trumans atomarem Massenmord an der Bevölkerung Hiroshimas und Nagasakis (Japan, 1945) vom Imperialismus entfesselten Kriege – offene wie verdeckte, unmaskiert antikommunistische wie im Zeichen des Kreuzes geführte – verfolgten immer dasselbe Ziel: Es ging trotz mal dichterer, mal durchsichtigerer Rauchvorhänge bei der Inbesitznahme ressourcenreicher oder strategisch bedeutsamer Territorien wie beim Verpulvern von Waffen und Munition, deren drittgrößter Exporteur inzwischen die BRD ist, einzig und allein um Profit [mehr Infos auch unter: www.waffensupermarkt.de]

Als die Trümmer des Zweiten Weltkrieges noch rauchten, unternahmen die britischen Kolonialisten ihre Strafexpeditionen in Malaya und Burma, die holländischen in Indonesien und die aus den USA auf den Philippinen. Französische Unterdrücker traten in Indochina wieder an die Stelle der verjagten Japaner. In Griechenland zerschlugen die Monarcho-Faschisten im Auftrag Eisenhowers die Befreiungs- Partisanenarmee ELAS. Mit der Landung von Söldnern in Kubas Schweinebucht sollte schon im April 1961 eine der großartigsten Revolutionen der Menschheitsgeschichte ausgelöscht werden.

Zwei furchtbare Vernichtungskriege des Imperialismus tobten in Asien. Opfer waren die Völker Koreas und Vietnams [vgl. Vietnamkrieg auf antifa.de]. Dabei setzten die Aggressoren im ersten Falle mörderische bakteriologische Waffen, im zweiten die „Entlaubungschemikalie“ Agent Orange ein, die unzählige Menschen tötete oder verkrüppelte. Das Massaker von My Lai, bei dem 1968 US-Soldaten im vietnamesischen Dorf My Lai 503 ZivilistInnen töteten, wurde zum Lidice der USA. Frankreichs Kolonialsoldateska wütete jahrelang in Algerien, Portugals in Moçambique und Angola.

Nachdem die britisch-französische Luftwaffe Nassers Ägypten als Antwort auf die Verstaatlichung des Suez-Kanals bereits 1956 bombardiert hatte ["Suezkrise"], führte Israels berüchtigter 6-Tage-Krieg 1967 zur völkerrechtswidrigen Annexion arabischer Territorien. Erinnert sei auch an den Angriff von Söldnern der United Fruit Company auf das freie Guatemala unter Präsident Arbenz, die blutige Invasion der USA in Santo Domingo, die gegen das sandinistische Nikaragua von Honduras aus in Marsch gesetzten Banden der Contras und den 1973 erfolgten Putsch Pinochets gegen das Chile der Unidad Popular. Im Gedächtnis der Völker haften der brutale USA-Überfall auf den kleinen Karibik-Staat Grenada im Oktober 1983 und der nicht minder infame Anschlag des Pentagon auf Panamas Souveränität im Dezember 1989 [siehe US-Invasion in Panama].

In Jugoslawien zettelten die Imperialisten zunächst eine ganze Serie regionaler Sezessionskriege an – von Bosnien-Herzegowina bis Kosovo. Als 1999 dann der eigentliche NATO-Schlag gegen Belgrad geführt wurde, war Schröders und Fischers BRD-Regierung erstmals direkt mit im Boot.

Zwei barbarische Golf-Kriege der USA gegen Irak, der 2001 begonnene und bis heute anhaltende Mordfeldzug der ISAF-Okkupanten in Afghanistan sowie der 2011 vom Zaun gebrochene Ölkrieg gegen Libyen (2011) wurden als „Befreiungsakte“ deklariert. Unverhohlen zielt der nächste Hauptschlag der westlichen Friedensfeinde und ihrer Erfüllungsgehilfen in Tel Aviv auf Iran und dessen Öl.

„Keine Option wird ausgeschlossen“, verkündete Obamas Kriegsminister Leon Panetta. Mit anderen Worten: Die Armeen des Imperialismus – darunter die Bundeswehr – stehen Gewehr bei Fuß, den Erdball jederzeit mit neuen Kriegen zu überziehen.

Dieses System ist – und zwar im Sinne des Urteilsspruches der Nürnberger Prozesse gegen NS-Verbrechen von 1946, der explizit auch „Verbrechen gegen den Frieden“ ahndete –, durch und durch kriminell.


Autor: Dr. Klaus Steiniger, Chefredakteur der Zeitschrift Rotfuchs. Die Kolumne erschien in der Rotfuchs Juniausgabe. Leichte Kürzungen, Links sowie kleine Erläuterungen wurden von antifa.de eingefügt.
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