09. Oktober 2011

5. Jahreszeit beginnt: Dresden 2012

geschrieben von addn.me
Mit einer Auftaktveranstaltung zur Aktivierungskonferenz hat das Bündnis »Dresden Nazifrei« die Mobilisierung und Auseinandersetzung mit dem kommenden Naziaufmarsch im Februar 2012 in Dresden begonnen, die sogenannte fünfte Jahreszeit. Wie in den vergangenen zwei Jahren sollen die Proteste in Form von Massenblockaden erfolgen, um sich offensiv den Nazis in den Weg zu setzen. Mit kollektiver Regelüberschreitung soll Europas größter Naziaufmarsch auch das dritte Jahr in Folge verhindert werden.

Die Konferenz, die bereits die zweite dieser Art ist, läutet die Mobilisierungen ein und setzt sich inhaltlich mit dem "Mythos Dresden", der Kritik am Extremismus-Begriff und selbstverständlich dem Naziaufmarsch an sich auseinander. Einer der geplanten Workshops zielt außerdem darauf ab, wie Antirepressions- und Soliarbeit aufgebaut werden kann. Hintergrund ist die Kriminalisierung antifaschistischen Engagements in Sachsen.

Zu Beginn der Veranstaltung richtete Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden, einige Worte an die TeilnehmerInnen. Er äußerte sich "gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Extremismus" und unterstrich noch einmal seine Position, dass an der Universität "keine Veranstaltungen mit rechtswidrigem Inhalt geduldet werden." Anlass dafür bildete eine "Recherche" der Bild-Zeitung, die hinter dem Blockadetraining eine Schulung sogenannter "Linksextremisten" vermutete. Daraufhin sagte der Rektor diesen Workshop ab. Dass friedliche Sitzblockaden keine rechtswidrigen Handlungen sind, stellte zwar das Bundesverfassungsgericht bereits 2001 fest - scheinbar ist dies jedoch noch nicht zum Rektorat der Universität vorgedrungen und man sah keine Notwendigkeit die Vorwürfe der Bild-Zeitung zu überprüfen.

 

VertreterInnen der Dresdner Zivilgesellschaft, Kirchgemeinden und der "Interventionistischen Linken" (IL) beleuchteten einige Aspekte rund um den jährlichen Naziaufmarsch in Dresden. So entschlossen sich viele Kirchen in Dresden am 19. Februar 2011 Mahnwachen abzuhalten und boten einen Anlauf- und Treffpunkt für Menschen, die gegen den Naziaufmarsch protestieren wollten. Die Erfolge der letzten Jahre stellte ein Vertreter der IL dar: Durch die erfolgreichen Blockaden der letzten zwei Jahre gingen die TeilnehmerInnenzahlen der Naziaufmärsche von knapp 8.000 am 13. Februar 2010 auf 3.500 in diesem Jahr zurück. "Von mir aus könnte es so schnell weitergehen", kommentierte er die Entwicklung.

 

Scheinbar sind die Erfolge von "Dresden Nazifrei" den ordnungspolitisichen Hardlinern der CDU und FDP im Freistaat Sachsen ein Dorn im Auge. Anders lässt sich die Einflussnahme der Politik auf Verwaltung und Polizei kaum erklären. Kurz vor den diesjährigen Februar-Aufmärschen veröffentlichte das Verwaltungsgericht Dresden seine Einschätzung zu dem Polizeieinsatz vom vergangenen Jahr. Nach dessen Auffassung hätte die Polizei den Aufmarsch der JLO durchsetzen müssen. Somit standen die Zeichen für die Planungen von "Dresden Nazifrei" deutlich schlechter. Zu weiteren Verwirrungen führte das Handeln der Stadt, die durch mehrere Bescheide, Versammlungen von Nazis zusammen- und mehrfach verlegte. Selbst die Polizei verlor am Ende den Überblick. Die Verwirrung wurde durch eine "Keine Toleranz"-Politik ausgeglichen, sodass vor allem Pfefferspray- und Wasserwerfereinsätze das Bild bestimmten. Trotz dessen, dass mehr als 200 DemonstrantInnen Verletzungen durch Pfefferspray, Gummiknüppel aber auch Hundebisse erlitten, prägte die Presse im Nachgang ein anderes Bild, indem sie sich lediglich auf einen Teil der Proteste fixierte. So wurde die Wirkung von "Randalebildern" mehrfach genutzt, um die erfolgreiche Blockierung des Naziaufmarsches in den Hintergrund zu rücken und zu relativieren.

 

Diese Auseinandersetzung nahmen auch TeilnehmerInnen der Auftaktveranstaltung zum Anlass und verlangten von "Dresden Nazifrei", sich von der Gewalt zu distanzieren. In mehreren Wortbeiträgen argumentierten sie mit der "friedlichen Revolution" von 1989 und forderten einen absoluten Gewaltverzicht ein. Die Antwort von "Dresden Nazifrei" war ihrem Aktionskonsens entsprechend eindeutig: Von ihnen werde auch künftig keine Eskalation ausgehen und man zeige sich weiterhin mit allen Menschen solidarisch, die das Ziel teilen, den Naziaufmarsch zu verhindern.

Der Schwarze Kanal



Blockupy 16. bis 19. Mai 2012 Frankfurt/M
  • 3. Stellungnahme der ALB

    Am 3. März 2012 wurde auf Indymedia (Open Posting und linksunten) gegen eine Frau, die unserer Gruppe zugeordnet wurde, der Vorwurf veröffentlicht, sie sei als Informantin für das Bundesamt für Verfassungsschutz tätig gewesen. Nach unseren Stellungnahmen vom 4.3.2012 und vom 12.3.2012 dokumentieren wir nun, wie wir mit diesem Spitzelvorwurf umgegangen sind und…


    Weiter Lesen
www.antifa-versand.de

www.european-resistance.org

Antiberliner

  • NEU: Antiberliner zur Schuldenkrise

    Schwerpunkte der 31. Ausgabe des Antiberliners sind die Schuldenkrise, aber auch das doppelgesichtige Verhältnis des Staates zu sozialen Bewegungen wie Occupy, S21, Anti-Atom und anderen. Außerdem befasst sich ein Artikel mit weiblichen Rollenklischees im Profisport. Auf der Antifa-Seite wird…


    Weiter Lesen
Sachsen Dreht FreiStaat

Freiheit für Sonja und Christian

Freiheit für Deniz!

Hintergrundinfos und Broschüren

  • Türkei/Kurdistan: Hinter Gittern

    Als Re­ak­ti­on auf die an­dau­ern­den Mas­sen­ver­haf­tun­gen von pro­kur­di­schen Po­li­ti­ke­rIn­nen und Aktiven in der Tür­kei wurde die Kam­pa­gne De­mo­kra­tie hin­ter Git­tern.Die Kam­pa­gne kri­ti­siert die seit Früh­jahr 2009 an­dau­ern­den Mas­sen­ver­haf­tun­gen von mehr als 8.000 Personen, darunter Bür­ger­meis­te­rIn­nen,…


    Weiter Lesen
  • Broschüre "Total Extrem" als PDF

    In einer neuen Broschüre "Total Extrem" [PDF] informiert die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) über die so genannte Totalitarismus- und Extremismusideologie. Diese setzt Links und Rechts gleich, verharmlost so die Gefahr von Neonazismus und ist explizit gegen linke,…


    Weiter Lesen
  • Zwei Schritte vor in Dortmund

    Auswertung von Dortmund stellt sich quer zu den Protesten gegen den Neonaziaufmarsch zum sog. „nationalen Antikriegstag“ am 3. September 2011 [Text als PDF].Am 3. September 2011 zogen mehrere hundert Neonazis durch die Dortmunder…


    Weiter Lesen
  • NSU, NPD und Innenministerium

    Überraschung: Über 13 Jahre lang zieht eine Neonazi-Bande mordend durchs Land, zum Finale Grande erschießen sich die zwei männlichen Mitglieder der Terrorzelle, stecken Beute und Fluchtfahrzeug ihres letzten Banküberfalls in Brand und die dritte im Bund versucht den letzten…


    Weiter Lesen
  • Kampangne: War starts here

    Markieren, Blockieren und Sabotieren. Kampagne gegen die kriegerische NormalitätWir rufen auf, aktiv einzugreifen in die kriegerische Normalität und die zahllosen zivilmilitärischen Verflechtungen. Der Fokus unserer Kampagne liegt auf der erweiterten Infrastruktur und der ideologischen Legitimierung von militärischer Gewalt.…


    Weiter Lesen
  • Trauer um Spanienkämpfer Teppich

    Am 25. Februar 2012 verstarb der antifaschistische Widerstandskämpfer Fritz Teppich in Berlin. Mit ihm starb der letzte in Deutschland lebende Spanienkämpfer.Mit 18 Jahren ging Fritz Teppich nach Spanien und kämpfe bei den Internationalen Brigaden gegen spaniens…


    Weiter Lesen
  • Vor 70 Jahren: Krieg gegen die SU

    Vor 70 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel Nazi-Deutschland die Sowjetunion. Für die dortige Bevölkerung begann ein fast vierjähriger Überlebenskampf: Die "jüdisch-bolschewistische" Staats- und Gesellschaftsordnung sollte ausgerottet werden. Die Sowjetbürger waren den den Jagd- und Mordkommandos der Wehrmacht ausgesetzt.…


    Weiter Lesen
  • Heft zu Krieg, Krise & Kapitalismus

    Deutschland führt seit Langem wieder Krieg. Die Bundeswehr ist aktuell mit über 6 500 Soldaten weltweit an Kriegseinsätzen beteiligt. In Afghanistan, im Kosovo und vor der Küste Somalias setzt sie die Interessen des deutschen Kapitals durch und sichert den…


    Weiter Lesen
  • Broschüre: 100 Jahre Frauentag

    Begleitend zu Aktivitäten rund um den 8. März 2011, dem 100. Internationalen Frauentag, hat ein Bündnis linksradikaler, sozialistischer und kommunistischer Gruppen eine Broschüre zur Geschichte und zu aktuellen Kämpfen erarbeitet. Das Heft soll grade jüngeren Genossinnen und Genossen den Einstieg in das…


    Weiter Lesen
  • Neu: Heft zum Afghanistan-Krieg

    Anlässlich der Mobilisierung gegen die SiKo und die Mandatsverlängerung 2011 gibt es eine Neuauflage einer Broschüre zum Afghanistankrieg [PDF]. Das Heft - erstmalig im Jahr 2008 erschienen - beschäftigt sich unter anderem mit der aktuellen Situation in Afghanistan,…


    Weiter Lesen
  • Broschüre zum mg-Verfahren

    Nach drei Jahren Solidaritätsarbeit und der Verurteilung von Axel, Florian und Oliver wegen versuchter Brandstiftung an Bundeswehr-LKW im Berliner mg-Prozess legt das Einstellungsbündnis sein Resümee vor. Die Soli-Gruppe beschreibt unter anderem die verschiedenen Linien und Fallstricke der Soli-Arbeit, die…


    Weiter Lesen
  • Neue Broschüre: Krisenanalyse

    Die Berliner Gruppe ARAB hat zu ihrem fünfjährigen Bestehen eine Broschüre zum Thema Krisenanalyse herausgebracht. Die Broschüre beschäftigt sich mit der aktuellen kapitalistischen Krise und zeigt auf, wo der kapitalistische Irrsinn hinführt und wie eine linksradikale Antwort…


    Weiter Lesen
  • Mitglied werden in der Roten Hilfe

    Die Rote Hilfe ist eine strömungsübergreife Solidaritäts- und Antirepressionsorganisation. Sie informiert über Verfolgung gegen Linke in der BRD und international. Zudem unterstützt sie Personen, die von Repression betroffen sind. Sie steht euch mit Beratung, anwaltlicher Betreuung…


    Weiter Lesen
  • Debatte: Krise, Protest, Widerstand

    Wir dokumentieren einen Beitrag des Historikers und Sozialforschers Karl Heinz Roth unter dem Titel Globale Krise – Globale Proletarisierung – Gegenperspektiven.Der Beitrag beschreibt wissenschaftlich, ausführlich und doch kompakt und verständlich die Hintergründe…


    Weiter Lesen
antifa - Zeitung des VVN-BdA