Berlin: Antifa-Demo am 17.9.10

Antifa-Demo am 17.9.2010 | 18 Uhr | U-Osloer Straße (U6/U9)
Infoveranstaltungen zum Thema
10.9. Scherer 8 (Scherer Straße 8), 20:00 Uhr
13.9. Astra Stuben (Weichselstraße 63), 19:30 Uhr
16.9. Bandito Rosso (Lottum Str. 10a), 20:30 Uhr
Naziterror stoppen – in Wedding und überall!
Der Wedding- Stadtteil und Mythos mitten in Berlin. Als sozialer Brennpunkt, „Hort der Kriminalität“ und Projektionsfläche rassistischer Ängste vor einer vermeintlichen Überfremdung durch „den Islam“, ist er im Bewusstsein der Stadtbewohner_innen allgegenwärtig.
Doch halt! Nazis im Wedding?!
Für das Jahr 2009 wurden nach offiziellen Statistiken mindestens neun rechte und rassistische Angriffe verübt- ein berlinweiter Platz zwei! Die Gewalt eskalierte bis hin zu einem Mordversuch durch zwei Neonazis im U-Bahnhof Rehberge an Personen mit iranischem Migrationshintergrund am 19. September 2009. Rechter Straßenterror und Alltagsrassismus – sie gehören durchaus zum Alltag im Wedding. Ob rassistische Kolonialromantik anhand der Straßennamen des „Afrikanischen Viertels“ oder die ganz praktische Einschüchterung von Mitgliedern der afrikanischen Community in der Sprengelstraße durch Drohbriefe im rechten Online-Portal Altermedia: Rassismus und Neonazis bleiben hier präsent.
Roter Wedding?
Fernab vom Ruf des „Roten Weddings“, entwickelte sich im letzten Jahr in Berlin und somit auch im Wedding, eine junge, aktionistische Neonazi-Kameradschaft namens „Freie Nationalisten Berlin-Mitte (FN-Mitte)“. Diese erklärte u.a. Wedding und Moabit zu Ihrem Aktionsraum. Die FN-Mitte pflegten enge Kontakte zur brandenburgischen Kameradschaft KMOB, die mit Ihrer Selbstauflösung Anfang Juli einem Verbot zuvor kam. Zu den ca. 15 Mitgliedern der FN gehören der Weißenseer Christian Schmidt, der Kreuzberger Falk Isernhagen, der Moabiter Demetrio Krüger und der langjährige Nazi-Aktivist Steve Hennig aus dem Wedding. Daraus wird klar: Es gibt keinen anonymisierten rechten Straßenterror, sondern Menschen, die für Ihr Handeln verantwortlich gemacht werden können!
Sei es das Verkleben rassistischer Aufkleber und Plakate, wiederholtes Sprühen von Hakenreuzen und rechten Parolen an Parteibüros, Moscheen, das Moabiter Rathaus und die Hausprojekte Scherer 8 und Groni 50. Oder das Verteilen rassistischer Flugblätter, sowie Pöbeleien und Angriffe auf migrantische bzw. linke Personen: die Aktionen der FN-Mitte begünstigen ein gesellschaftliches Klima, in dem Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe und/ oder linken Gesinnung von Neonazis bedroht und angegriffen werden können. Wo die soziale Ausgrenzung und Verelendung immer mehr Menschen ergreift, versuchen sie mit völkischem Rassismus und Antisemitismus ein einfaches aber menschenverachtendes, neonazistisches Welterklärungsmuster zu streuen. Dem treten wir entgegen und sagen:
Neonaziterror stoppen – in Wedding und überall!
Die Aktionen im Wedding reihen sich ein in eine lange Liste rechter und rassistischer Übergriffe von Neonazis auch über den Wedding hinaus. Von Weißensee und Prenzlauer Berg bis hin nach Lichtenberg, Kreuzberg und Neukölln: seit mehr als einem Jahr nimmt der rechte Terror auf der Straße zu – die FN-Mitte kann für eine Vielzahl dieser Angriffe verantwortlich gemacht werden.
Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Aktivitäten von Neonazis auch im Wedding eine Tradition haben. Eine historische Rolle spielte hierbei der Neonazi-Kader Arnulf Priem, der bereits in den 90er Jahren als Rechtsterrorist mit Briefbombenanschlägen und Übergriffen in Verbindung gebracht werden konnte. Er wohnt noch immer im Wedding. Neben diesem Neonazi-Stützpunkt im Kiez rund um die Osloer Straße bestand in unmittelbarer Nachbarschaft bis mindestens 2004 der Bandproberaum der Rechtsrockband Spreegeschwader, einer der aktivsten Nazi-Bands Berlins.
Der Blick zurück zeigt aber auch, dass hartnäckige antifaschistische Intervention Wirkung zeigt. Mitte der 90er Jahre versuchten schon einmal Neonazis in Wedding und Moabit Fuß zu fassen. Als „Kameradschaft Beusselkiez“ versuchten sie politischen Einfluss zu gewinnen. Antifaschist_innen gelang es jedoch durch dauerhafte Präsenz, Outings, Infoveranstaltungen und nicht zuletzt durch direkte Aktionen, die Kameradschaft aus dem Kiez zu vertreiben.
Deswegen: Neonazistrukturen aufdecken und angreifen – praktische Solidarität mit allen angegriffenen Hausprojekten und Personen in Wedding und ganz Berlin. Der Verbreitung rassistischer Positionen und der Akzeptanz von Nazis stellen wir uns immer und überall entgegen! Auf zur antifaschistischen Demonstration im Wedding!
17. September 2010 | 18:00 Uhr | U-Bhf Osloer StraßeDer Schwarze Kanal
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