29. Juli 2010

Interview mit Rote Antifa zu Protesten in Dortmund am 4.9.2010

AntifaschistInnenen rufen zur Verhinderung des »nationalen Antikriegstags« von Neonazis am 4. September 2010 in Dortmund auf. Wir dokumentieren ein Gespräch mit Mahir Yolcu, Sprecher der Roten Antifa.

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Als eine der größten antifaschistischen Gruppen in Nordrhein-Westfalen ruft die Rote Antifa NRW dazu auf, den sogenannten nationalen Antikriegstag der Neonazis am 4. September in Dortmund zu blockieren. Ist der Aufruf zu Blockaden seit der Verhinderung des rechten Aufmarsches in Dresden im Februar die neue Protestform?

Nachdem in den letzten Jahren deutlich wurde, daß der jährliche Neonaziaufmarsch in Dortmund nicht aus Gegendemonstrationen heraus verhindert oder effektiv gestört werden kann, war für uns klar, daß wir dieses Jahr die Form der Blockade wählen müssen. Dieses Konzept hat sich in Dresden, Berlin und Duisburg bewährt, und es wird sich auch in Dortmund bewähren. Blockieren ist unser Recht, und so sehen es auch viele Bürgerinnen und Bürger. Wir freuen uns darüber, daß wir Unterstützung von Antifaschisten haben, die auch schon die Blockaden von Dresden und Duisburg mitorganisiert haben.


Was unterscheidet den rechten Aufmarsch in Dortmund von den unzähligen anderen, die nahezu wöchentlich in der Bundesrepublik stattfinden?

Dortmund ist die Hochburg der Neonazis in Westdeutschland. Neben NPD und DVU sind dort vor allem die militant auftretenden »Autonomen Nationalisten« aktiv, die durch besonders viele Schläger auffallen. Hinzu kommt, daß der sogenannte nationale Antikriegstag ein regelmäßiger Aufmarsch der Neonazis ist, zu dem sie europaweit mobilisieren. In den ersten Jahren lief es für die Rechten gut. Mehr als 1000 Neofaschisten zogen nahezu ungestört durch die Stadt. Dem Treiben konnte erst letztes Jahr etwas entgegengesetzt werden. Es ist also an der Zeit, die Mobilisierung nach Dortmund endlich als Notwendigkeit zu begreifen und sich dem Aufmarsch mit geballten Kräften in den Weg zu stellen.

Wie Sie bereits erwähnten, gilt Dortmund seit einigen Jahren als Hochburg der »Autonomen Nationalisten«. Wie macht sich das konkret bemerkbar?

Die Militanz und Gewaltbereitschaft dieser Gruppierung macht sich in der Ruhrgebietsstadt immer wieder durch Attacken auf antifaschistische und alternative Jugendliche sowie deren Wohnungen bemerkbar. So griffen beispielsweise Mitte Mai etwa ein Dutzend Nazis mehrere Jugendliche in der Dortmunder Innenstadt an und verletzten einige davon schwer. Einige Familien werden seit Jahren regelrecht terrorisiert. Politik und Medien bemühen sich zwar das Thema kleinzureden, doch die Aktivitäten der Neofaschisten sind für die Dortmunder nicht zu übersehen. Auch der Angriff auf die Gewerkschaftsdemo am 1. Mai 2009 verdeutlicht die Dimension des Problems.

Gemeinsam mit dem Bündnis »Dortmund stellt sich quer!« mobilisiert ein »Antifaschistisches/Antimilitaristisches Aktionsbündnis« zum Widerstand. Worin unterscheiden sich beide Zusammenschlüsse?

Wir rufen gemeinsam zu Blockaden auf und werden zusammen handeln. Das »Antifaschistische/Antimilitaristische Aktionsbündnis«, in dem sich Gruppen aus dem Bundesgebiet zusammengeschlossen haben, will die Frage von Faschismus und Krieg sowie deren kapitalistische Wurzeln stärker thematisieren. Wir meinen, Faschismus und Krieg sind keine Zufälligkeiten sondern Begleiterscheinungen des kapitalistischen Systems.

In vielen Städten finden zur Zeit Mobilisierungsveranstaltungen statt, und es wurden bereits viele Busse gechartert. Wie groß ist die Resonanz?

Die Rückmeldungen zeigen, daß die Relevanz der Proteste in Dortmund inzwischen bundesweit erkannt wird. Uns unterstützen zur Zeit etwa 120 Gruppen. In der Ruhrgebietsstadt wurden Kundgebungen an rund 30 Plätzen angemeldet. Ein Dutzend Städte haben bereits Busse angekündigt. Das übersteigt die Resonanz des vergangenen Jahres. Wir sind also zuversichtlich.


Info: antimildortmund.blogsport.de | dortmundquer.blogsport.de

Tags:  Dortmund, Antifa, Interview, Rote Antifa Duisburg, 2010

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