10. März 2010
Antifaschisten wollen Aufmärsche von Rechtsextremen in Duisburg verhindern. Ein Gespräch mit Artur Brachte von der Antifa-KOK, Düsseldorf. Das Interview erschien erstmalig am 8. März 2010 in der Tageszeitung junge Welt.
Der Antifa-Koordinierungskreis ruft dazu auf, Aufmärsche der selbsternannten rechten »Bürgerbewegung Pro NRW« und der neofaschistischen NPD am 27. und 28.März in Duisburg zu verhindern. Planen Sie Massenblockaden wie am 13. Februar in Dresden?
Der Antifa-KOK ist Teil des Bündnisses »Duisburg stellt sich quer«, das die Gegenaktivitäten organisiert. Zusammen mit anderen antifaschistischen Gruppen, mit der Linksjugend solid, mit dem sds, mit linken Parteien und vor allem mit den linken Migrantenorganisationen, die in Duisburg sehr aktiv sind, planen wir die nötigen Maßnahmen, um die rechten Aufmärsche und Kundgebungen zu verhindern. Massenblockaden sind dabei ein sehr wichtiges Element, da sie es vielen Menschen ermöglichen, sich aktiv an den Protesten zu beteiligen. Da haben wir als Mitgliedsgruppe der Interventionistischen Linken mittlerweile viele gute Erfahrungen gemacht, in Heiligendamm genauso wie in Köln, Strasbourg oder eben zuletzt in Dresden.
Die extreme Rechte will mittels antiislamischer Hetze bei potentiellen Wählern punkten. Fürchten Sie, daß Pro NRW am 9. Mai in den nordrhein-westfälischen Landtag einzieht?
Pro NRW hat angekündigt, flächendeckend im gesamten Bundesland anzutreten und in den Landtag einziehen zu wollen. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich. Wir müssen uns aber darauf gefaßt machen, daß die Rechtspopulisten Nordrhein-Westfalen (NRW) mit einer rassistischen Hetzkampagne überziehen werden.
Wir werden aber nicht tatenlos zusehen, wenn sie die Städte mit ihren Hetzplakaten zupflastern oder in Fußgängerzonen ihre rassistischen Flugblätter verteilen. Wir unterstützen daher die NRW-weite Kampagne »Kein Bock auf Pro NRW« unserer Schwesterorganisationen, der Antifaschistischen Koordination Köln und Umland und der Antifaschistischen Aktion Leverkusen, mit deren Hilfe wir den Rechten gehörig in die Suppe spucken werden.
In vielen europäischen Ländern– am vergangenen Mittwoch in den Niederlanden – ist es der extremen Rechten gelungen, mit antiislamischer Simmungsmache Wahlerfolge zu erzielen. Welche antifaschistische Strategie ist vonnöten, um Derartiges in der Bundesrepublik zu verhindern?
Das wird schwer. Wir dürfen uns die Situation nicht schönreden. In Teilen der Bevölkerung sind rassistische, antisemitische und antiislamische Vorurteile tief verwurzelt. Dieses Potential kann unter Umständen auch bei Wahlen mobilisiert werden. Unsere Strategie muß darauf abzielen, den Rechten den Raum für ihre Propaganda und ihre Aufbauarbeit zu beschneiden. Das macht es einfacher, Schwankende davon abzuhalten, sich nach rechts zu orientieren – gleichzeitig demotivieren wir die rechten Protagonisten. All das kann jedoch nur gelingen, wenn wir endlich den Schulterschluß mit den linken Migrantengruppen organisieren und gemeinsam sowohl in der deutschen Mehrheitsgesellschaft als auch in der Migranten-Community intervenieren.
Antiislamismus ist nicht nur bei extrem rechten Parteien vorhanden. Sogar Personen, die sich selbst für Linke halten, sind oft für derartige Ressentiments offen. Stellt das die antifaschistische Bewegung vor Probleme?
Ja, sie eilt nicht grade auf schnurgradem Weg von Erfolg zu Erfolg. Das hat viele Gründe: Organisatorische Mängel und mangelnde inhaltliche Klarheit sind zwei davon. Aber, und das möge man uns zugunsten halten, wir lernen im Vorwärtsgehen und korrigieren so manchen Fehler. Am Beispiel Dresden wird das deutlich: Lange Jahre waren die dortigen Proteste von den »Antideutschen« geprägt und damit zum Scheitern verurteilt. Seitdem jedoch dort das antifaschistische Bündnis »No pasaran« arbeitet, ist es gelungen, den Einfluß der sektiererischen »Antideutschen« zurückzudrängen und ein bündnisorientiertes Blockadekonzept am 13. Februar erfolgreich zu realisieren. Das macht Hoffnung, daß es uns auch gelingt, antiislamische Vorurteile zu überwinden. Wir sind Gegner von Religion und Esoterik, aber wir wissen auch, daß der Kampf gegen Rassismus und Faschismus von Atheisten, Christen, Juden und Moslems gemeinsam geführt werden muß. Und wir denken, daß der gemeinsame Kampf zur Überwindung des Kapitalismus letztlich der einzige Weg zur Überwindung des mangelnden Selbstvertrauens, das sich als Religion oder Esoterik ausdrückt, ist. Vorurteile, die zur Verhinderung des gemeinsamen Kampfes führen, nützen jedenfalls einzig dem politischen Gegner.
www.antifa-kok.de
Tags: Antifa-KOK, Interview, 2010, Düsseldorf, Rassismus, Nazis, Anti-Islamismus
Antifa-KOK: »Antiislamische Vorurteile sind tief verwurzelt«

Der Antifa-Koordinierungskreis ruft dazu auf, Aufmärsche der selbsternannten rechten »Bürgerbewegung Pro NRW« und der neofaschistischen NPD am 27. und 28.März in Duisburg zu verhindern. Planen Sie Massenblockaden wie am 13. Februar in Dresden?
Der Antifa-KOK ist Teil des Bündnisses »Duisburg stellt sich quer«, das die Gegenaktivitäten organisiert. Zusammen mit anderen antifaschistischen Gruppen, mit der Linksjugend solid, mit dem sds, mit linken Parteien und vor allem mit den linken Migrantenorganisationen, die in Duisburg sehr aktiv sind, planen wir die nötigen Maßnahmen, um die rechten Aufmärsche und Kundgebungen zu verhindern. Massenblockaden sind dabei ein sehr wichtiges Element, da sie es vielen Menschen ermöglichen, sich aktiv an den Protesten zu beteiligen. Da haben wir als Mitgliedsgruppe der Interventionistischen Linken mittlerweile viele gute Erfahrungen gemacht, in Heiligendamm genauso wie in Köln, Strasbourg oder eben zuletzt in Dresden.
Die extreme Rechte will mittels antiislamischer Hetze bei potentiellen Wählern punkten. Fürchten Sie, daß Pro NRW am 9. Mai in den nordrhein-westfälischen Landtag einzieht?
Pro NRW hat angekündigt, flächendeckend im gesamten Bundesland anzutreten und in den Landtag einziehen zu wollen. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich. Wir müssen uns aber darauf gefaßt machen, daß die Rechtspopulisten Nordrhein-Westfalen (NRW) mit einer rassistischen Hetzkampagne überziehen werden.
Wir werden aber nicht tatenlos zusehen, wenn sie die Städte mit ihren Hetzplakaten zupflastern oder in Fußgängerzonen ihre rassistischen Flugblätter verteilen. Wir unterstützen daher die NRW-weite Kampagne »Kein Bock auf Pro NRW« unserer Schwesterorganisationen, der Antifaschistischen Koordination Köln und Umland und der Antifaschistischen Aktion Leverkusen, mit deren Hilfe wir den Rechten gehörig in die Suppe spucken werden.
In vielen europäischen Ländern– am vergangenen Mittwoch in den Niederlanden – ist es der extremen Rechten gelungen, mit antiislamischer Simmungsmache Wahlerfolge zu erzielen. Welche antifaschistische Strategie ist vonnöten, um Derartiges in der Bundesrepublik zu verhindern?
Das wird schwer. Wir dürfen uns die Situation nicht schönreden. In Teilen der Bevölkerung sind rassistische, antisemitische und antiislamische Vorurteile tief verwurzelt. Dieses Potential kann unter Umständen auch bei Wahlen mobilisiert werden. Unsere Strategie muß darauf abzielen, den Rechten den Raum für ihre Propaganda und ihre Aufbauarbeit zu beschneiden. Das macht es einfacher, Schwankende davon abzuhalten, sich nach rechts zu orientieren – gleichzeitig demotivieren wir die rechten Protagonisten. All das kann jedoch nur gelingen, wenn wir endlich den Schulterschluß mit den linken Migrantengruppen organisieren und gemeinsam sowohl in der deutschen Mehrheitsgesellschaft als auch in der Migranten-Community intervenieren.
Antiislamismus ist nicht nur bei extrem rechten Parteien vorhanden. Sogar Personen, die sich selbst für Linke halten, sind oft für derartige Ressentiments offen. Stellt das die antifaschistische Bewegung vor Probleme?
Ja, sie eilt nicht grade auf schnurgradem Weg von Erfolg zu Erfolg. Das hat viele Gründe: Organisatorische Mängel und mangelnde inhaltliche Klarheit sind zwei davon. Aber, und das möge man uns zugunsten halten, wir lernen im Vorwärtsgehen und korrigieren so manchen Fehler. Am Beispiel Dresden wird das deutlich: Lange Jahre waren die dortigen Proteste von den »Antideutschen« geprägt und damit zum Scheitern verurteilt. Seitdem jedoch dort das antifaschistische Bündnis »No pasaran« arbeitet, ist es gelungen, den Einfluß der sektiererischen »Antideutschen« zurückzudrängen und ein bündnisorientiertes Blockadekonzept am 13. Februar erfolgreich zu realisieren. Das macht Hoffnung, daß es uns auch gelingt, antiislamische Vorurteile zu überwinden. Wir sind Gegner von Religion und Esoterik, aber wir wissen auch, daß der Kampf gegen Rassismus und Faschismus von Atheisten, Christen, Juden und Moslems gemeinsam geführt werden muß. Und wir denken, daß der gemeinsame Kampf zur Überwindung des Kapitalismus letztlich der einzige Weg zur Überwindung des mangelnden Selbstvertrauens, das sich als Religion oder Esoterik ausdrückt, ist. Vorurteile, die zur Verhinderung des gemeinsamen Kampfes führen, nützen jedenfalls einzig dem politischen Gegner.
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