03. März 2010

Essen: Krisen-Demo am 20.3.2010

Krise, Kapitalismus und Faschismus. Im Januar des Jahres 1932 sprach Adolf Hitler in Düsseldorf zu den führenden Vertretern der deutschen Großkonzerne. Das Programm der Nazis hatte schon seit den 20er Jahren die Kassen der Konzerne für die NSDAP geöffnet: Hitler versprach ein Deutschland ohne Demokratie, Gewerkschaften und Linke.

Demo in Essen: 20.3.2010 | 12.30 Uhr | Willy-Brandt-Platz
Bündnis | Antifa-KOK | Rote Antifa

Hitler versprach den Konzernherren steigende Profite durch die Vernichtung der Rechte der Lohnabhängigen sowie durch massive Rüstungsaufträge. Hitler hielt seine Versprechen und die deutschen Großkonzerne profitierten vom faschistischen Frieden und vom faschistischen Krieg. Auschwitz war nicht nur die Vernichtung jüdischer Menschen im faschistischen Rassenwahn, Auschwitz war auch die konsequente Vernutzung der KZ-Häftlinge als Arbeitssklaven, die monatlich 50 Millionen Reichsmark einbrachte. Und es gibt kaum einen Betrieb des damaligen Deutschlands, der nicht direkt von der Ausbeutung verschleppter Zwangsarbeiter profitierte.

Das faschistische Deutschland wurde militärisch besiegt. Und aufrechte, antifaschistische Christen, die sich in der CDU organisierten, erklärten in ihrem ersten Parteiprogramm " Das bürgerlich-kapitalistische Zeitalter ist vorbei! Dem Sozialismus gehört die Zukunft!". In der nordrhein-westfälischen Landesverfassung findet sich noch heute der Artikel 27
mit dem Wortlaut:
(1) Großbetriebe der Grundstoffindustrie und Unternehmen, die wegen ihrer monopolartigen Stellung besondere Bedeutung haben, sollen in Gemeineigentum überführt werden.
(2) Zusammenschlüsse, die ihre wirtschaftliche Macht missbrauchen, sind zu verbieten.

Diese antikapitalistische Orientierung erschreckte jedoch die Herren der Großkonzerne in aller Welt und so wurde im Zusammenspiel von alten Nazis und neuen Besatzungsmächten in den Westzonen der Kapitalismus restauriert.

Und daran liegt es, daß heute die gleichen Firmen, die schon die Nazis an die Macht brachten, wieder ihre Vorstellung von Gesellschaftsveränderung durchsetzen. Die sogenanten Reformen von Hartz und Co sind in den Denkfabriken der Großkonzerne entworfen worden. Diese Reformen sichern den Großkonzernen ihre steigenden Profite.

Nein, das Jahr 2010 ist natürlich nicht mit dem Jahr 1933 zu vergleichen. Aber der fortgesetzte Abbau sozialer Errungenschaften, das Klima der zunehmenden Existenzangst und Perspektivlosigkeit, die stetig steigende Zahl der Arbeitslosen - das ist die Parallele zu den Jahren vor 1933. Und man muß kein Hellseher sein, um vorherzusagen, wie es weitergeht: Der Abbau unserer sozialen Sicherungssysteme geht Hand in Hand mit der weiteren Ausdehnung der deutschen Militärpolitik. Statt zu überlegen, wie wir als Lohnabhängige in Deutschland gemeinsam unsere Interessen gegen die Konzerne und ihre Regierung durchsetzen, sollen wir überlegen, wie wir deutsche Interessen am Hindukusch und überall auf der Welt durchsetzen. Es gibt für uns keine gemeinsamen Interessen mit den Konzernen - daher kämpfen wir gegen die deutsche Kriegspolitik, für die sofortige Rückholung aller deutschen Truppen und die Auflösung der Bundeswehr, deren Etat sozialen und kulturellen Zwecken zukommen wird.

So, wie die deutsche Aggression nach außen der Bevölkerung schmackhaft gemacht wird, so wird auch die Hetzjagd im Inneren eröffnet: Arbeiterinnen werden gegen Beamte ausgespielt, Studenten gegen Kindergartenkinder und lokale Betriebsstandorte gegeneinander. Kein Tag vergeht, ohne daß eine Zeitung irgendwelche Parolen gegen angebliche Sozialschmarotzer druckt, kein Tag, an dem nicht die Islamistengefahr beschworen wird und die Verschärfung der "Maßnahmen zur Inneren Sicherheit" propagiert wird. Und wir sollten uns da nicht vertun - die Herrschenden und ihre Helfershelfer verstehen ihr Geschäft. Bei Verschlechterung der sozialen Lage steigen die Chancen der Rechtspopulisten und Nazidemagogen.

Hitler und seine Nazipartei wären niemals erfolgreich gewesen, wenn hinter ihm nur die Millionäre gestanden hätten. Es waren eben auch Millionen Deutsche, vorwiegend aus den Mittelschichten - aber eben auch ArbeiterInnen, die Hitler gewählt und seine Partei unterstützt haben. Damit heute der Protest gegen den Sozialraub nicht zugunsten der Rechtspopulisten und neuen Nazis gewendet werden kann, bedarf es der Durchsetzung einiger Prinzipien:

  • Der Kampf gegen den Sozialraub muß eine konsequent antirassistische Ausrichtung haben. Gleiche Rechte für alle Menschen, die hier Leben sowie Solidarität mit Flüchtlingen statt rassistischer Ausländerhetze!
  • Solidarität mit SozialhilfeempfängerInnen und Arbeitslosen statt sozialdarwinistische Hatz auf angebliche Sozialschmarotzer.
  • Konsequente Bekämpfung jeder antisemitischen Hetze und Aktivitäten.
  • Zurückweisung aller Versuche, die Schuldigen für die deutsche Wirtschaftskrise im Ausland zu suchen.

Der Kampf gegen die neuen Nazis wird nur erfolgreich sein, wenn auch wir AntifaschistInnen die soziale Frage thematisieren. Und der Kampf gegen den Sozialraub und für eine andere Gesellschaft wird nur dann erfolgreich sein, wenn er auch auf antirassistischen und antifaschistischen Prinzipien basiert. Bauen wir gemeinsam eine Bewegung auf, die diese Bedingungen entspricht. Und konfrontieren wir die Konzerne und ihre Regierungen mit einer neuen Sprache: Kampf auf der Straße - Streik in der Fabrik, das ist unsere Antwort auf ihre Politik!

Auf nach Essen am 20. März!

Antiberliner

  • NEU: Antiberliner zur Schuldenkrise

    Schwerpunkte der 31. Ausgabe des Antiberliners sind die Schuldenkrise, aber auch das doppelgesichtige Verhältnis des Staates zu sozialen Bewegungen wie Occupy, S21, Anti-Atom und anderen. Außerdem befasst sich ein Artikel mit weiblichen Rollenklischees im Profisport. Auf der Antifa-Seite wird…


    Weiter Lesen
www.antifa-versand.de
www.dresden-nazifrei.com

www.sachsendrehtfreistaat.blogsport.de
  • Drei Neue Kapuzis bei Red Stuff

    Der Sommer neigt sich dem Ende und der Herbst klopft bereits an die Tür. Viele tauschen T-Shirts gegen Pulli und Jacke - oder gegen die neuen Kapuzenpullis vom Antifa Versand Red Stuff. Zuerst gab es die…


    Weiter Lesen

Hintergrundinfos und Broschüren

  • Broschüre "Total Extrem" als PDF

    In einer neuen Broschüre "Total Extrem" [PDF] informiert die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) über die so genannte Totalitarismus- und Extremismusideologie. Diese setzt Links und Rechts gleich, verharmlost so die Gefahr von Neonazismus und ist explizit gegen linke,…


    Weiter Lesen
  • Zwei Schritte vor in Dortmund

    Auswertung von Dortmund stellt sich quer zu den Protesten gegen den Neonaziaufmarsch zum sog. „nationalen Antikriegstag“ am 3. September 2011 [Text als PDF].Am 3. September 2011 zogen mehrere hundert Neonazis durch die Dortmunder…


    Weiter Lesen
  • Kampangne: War starts here

    Markieren, Blockieren und Sabotieren. Kampagne gegen die kriegerische NormalitätWir rufen auf, aktiv einzugreifen in die kriegerische Normalität und die zahllosen zivilmilitärischen Verflechtungen. Der Fokus unserer Kampagne liegt auf der erweiterten Infrastruktur und der ideologischen Legitimierung von militärischer Gewalt.…


    Weiter Lesen
  • Vor 70 Jahren: Krieg gegen die SU

    Vor 70 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel Nazi-Deutschland die Sowjetunion. Für die dortige Bevölkerung begann ein fast vierjähriger Überlebenskampf: Die "jüdisch-bolschewistische" Staats- und Gesellschaftsordnung sollte ausgerottet werden. Die Sowjetbürger waren den den Jagd- und Mordkommandos der Wehrmacht ausgesetzt.…


    Weiter Lesen
  • Broschüre zu den "G 20" (PDF)

    Im Ok­to­ber 2011 er­schien in Rah­men der Mo­bi­li­sie­rung zur über­re­gio­na­len an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen De­mons­tra­ti­on am 5.​11.2011 in Frei­burg eine Bro­schü­re zur The­ma­tik. Auf 16 Sei­ten wird die Rolle der G20 be­leuch­tet, die Aus­wir­kun­gen die­ser Po­li­tik und die Ge­gen­be­we­gung…


    Weiter Lesen
  • Heft zu Krieg, Krise & Kapitalismus

    Deutschland führt seit Langem wieder Krieg. Die Bundeswehr ist aktuell mit über 6 500 Soldaten weltweit an Kriegseinsätzen beteiligt. In Afghanistan, im Kosovo und vor der Küste Somalias setzt sie die Interessen des deutschen Kapitals durch und sichert den…


    Weiter Lesen
  • Broschüre: 100 Jahre Frauentag

    Begleitend zu Aktivitäten rund um den 8. März 2011, dem 100. Internationalen Frauentag, hat ein Bündnis linksradikaler, sozialistischer und kommunistischer Gruppen eine Broschüre zur Geschichte und zu aktuellen Kämpfen erarbeitet. Das Heft soll grade jüngeren Genossinnen und Genossen den Einstieg in das…


    Weiter Lesen
  • Neu: Heft zum Afghanistan-Krieg

    Anlässlich der Mobilisierung gegen die SiKo und die Mandatsverlängerung 2011 gibt es eine Neuauflage einer Broschüre zum Afghanistankrieg [PDF]. Das Heft - erstmalig im Jahr 2008 erschienen - beschäftigt sich unter anderem mit der aktuellen Situation in Afghanistan,…


    Weiter Lesen
  • Broschüre zum mg-Verfahren

    Nach drei Jahren Solidaritätsarbeit und der Verurteilung von Axel, Florian und Oliver wegen versuchter Brandstiftung an Bundeswehr-LKW im Berliner mg-Prozess legt das Einstellungsbündnis sein Resümee vor. Die Soli-Gruppe beschreibt unter anderem die verschiedenen Linien und Fallstricke der Soli-Arbeit, die…


    Weiter Lesen
  • Mitglied werden in der Roten Hilfe

    Die Rote Hilfe ist eine strömungsübergreife Solidaritäts- und Antirepressionsorganisation. Sie informiert über Verfolgung gegen Linke in der BRD und international. Zudem unterstützt sie Personen, die von Repression betroffen sind. Sie steht euch mit Beratung, anwaltlicher Betreuung…


    Weiter Lesen
  • Debatte: Krise, Protest, Widerstand

    Wir dokumentieren einen Beitrag des Historikers und Sozialforschers Karl Heinz Roth unter dem Titel Globale Krise – Globale Proletarisierung – Gegenperspektiven.Der Beitrag beschreibt wissenschaftlich, ausführlich und doch kompakt und verständlich die Hintergründe…


    Weiter Lesen
Labournet Germany