11. Januar 2010

Deutsche Demokratische Republik

geschrieben von Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin
Mit der Veranstaltung Die radikale Linke und der realsozialistische Versuch soll dem nationalistischen Gedenkspektakel an die sog. "friedliche Revolution" und die "Wiedervereinigung" 1989/90 etwas entgegengesetzt werden. Was war die DDR eigentlich und steht die radikale Linke zum sozialistischen Versuch?. Ehemalige Aktive der DDR diskutieren mit Vertretern der damaligen Opposition und Westlinken, die in die DDR siedelten, über den Charakter der DDR.

Veranstaltung: 17. Januar 2010 | 18 Uhr | KATO (U Schlesisches Tor)
- Herbert Mißlitz (ehemals Vereinigte Linke / linke DDR-Opposition)
- Thomas Waldeck (ehemals FDGB / SED)
- Inge Viett (ehemals Bewegung 2. Juni / Exil in der DDR)

"Wer die Gewerkschaft fordert, wird den Unternehmerverband kriegen.
Wer den Videorekorder will, wird die Videofilme kriegen.
Wer die Buntheit des Westens will, wird die Verzweiflung des Westens kriegen.
Wer Bananen essen will, muss Neger verhungern lassen.
Wird die Spaltung Europas überwinden will, muß den Westen siegen lassen."

-Ronald M. Schernikau, März 1990

Deutschland feiert sich. Nachdem die nationalistischen Siegesfeiern zum 20sten Jahrestag des „Mauerfalls“ gerade erst über die Bühne gegangen sind, steht in diesem Jahr das Abfeiern der „Wiedervereinigung“ ganz oben auf dem großdeutschen Partykalender. Vor 20 Jahren kapitulierte der ostdeutsche Staatssozialismus und lieferte sich widerstandslos an das deutsche Kapital aus. Seitdem ist Deutschland ziemlich weit voran gekommen. Bundeswehrsoldaten verbreiten am Hindukusch „Freiheit und Demokratie“, der Preis der Ware Arbeitskraft wurde kräftig gesenkt, das Asylrecht faktisch abgeschafft, der Balkan kolonisiert, die Sozialsysteme runtergefahren, ein umfassender Sicherheits- und Überwachungsapparat ausgebaut und eine Menge anderer Dinge unternommen, um die Profitraten zu erhöhen und die Sicherheit des erwirtschafteten Profits staatlich zu garantieren.

Die fanatischen Anhänger der freien Marktwirtschaft und energischen Verfechter deutscher Interessen könnten sich also darüber freuen, dass selbst die aktuelle Wirtschaftskrise keine ernsthaften Debatten über gesellschaftliche Alternativen zum kapitalistischen Irrsinn hervorbringt. Doch statt Ruhe zu geben und die uneingeschränkte Herrschaft des Kapitals zu genießen, trampeln sie wie besessen auf einem Gegner herum, der schon vor 20 Jahren das Zeitliche gesegnet hat: Die Deutsche Demokratische Republik und ihre Staatsorgane. Reuige und gewendete MfS-, NVA- und SED-Funktionäre werden mit einem beeindruckenden Hass und Eifer durch die Medien gejagt und für ihre „grauenhaften Verbrechen“ an den Pranger gestellt. Ein Schicksal, das ehemaligen Nazi-Funktionären in der alten Bundesrepublik selbstverständlich erspart blieb. Zeitungen, Fernsehsendungen, Schulbücher und das Internet sind voll mit Gruselgeschichten über „Stasi-KZs“ und die „Terrorherrschaft der SED“. Horden von Extremismusforschern werkeln eifrig daran, den Arbeiter- und Bauernstaat mit dem NS gleichzusetzen. Ganz schön viel Aufmerksamkeit für einen Gegner, von dem wirklich keine Gefahr mehr für „Freiheit und Demokratie“ ausgeht. Doch die schmerzvolle Erfahrung des deutschen Kapitals, ganze 40 Jahre lang auf Teile Deutschlands nur eingeschränkt Zugriff gehabt zu haben, scheint Anhänger des marktwirtschaftlichen Irrsinns noch heute zur Weißglut zu treiben.

In der radikalen Linken sind der sozialistische Versuch auf deutschem Boden und sein emanzipatorischer Gehalt bis heute ein Streitthema. Welchen Charakter hatte die DDR-Gesellschaft? Wo lagen die sozialistischen Potenziale? Wo die Widersprüche? Was waren die Fehler? Woran scheiterte der Versuch? Wie ist er zu beurteilen? Und warum haben die Herrschenden noch heute solch einen Hass auf die DDR? Zusammen mit ehemaligen Funktionären der sozialistischen Staatsorgane, linken DDR-Oppositionellen und „rüber gemachten“ Westlinken wollen wir einen Abend lang über diese Fragen debattieren.

Mit Herbert Mißlitz (ehemals Vereinigte Linke / linke DDR-Opposition), Thomas Waldeck (ehemals FDGB / SED) und Inge Viett (ehemals Bewegung 2. Juni / Exil in der DDR)

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