14. Juli 2009

Interview mit der ALB zum Nazi-Überfall am 12.7.09 in Berlin

Am 12. Juli 2009 überfielen vier Neonazis einen Linken am S-Bahnhof Frankfurter Alle in Berlin-Friedrichshain. Zuvor soll es eine Auseinandersetzung wegen Thor-Steinar-Klamotten zwischen zehn Antifas und den vier Nazis gekommen sein. Ein Nazi wurde dabei verletzt - anschließend zogen die vier Rechten weiter und schlugen einen anwesenden Linken brutal zusammen.
Wir dokumentieren ein Interview mit der Antifaschistischen Linken Berlin zu dem Vorfall.


»Er liegt auf der Intensivstation«
Brutaler Neonaziübergriff in Berlin-Friedrichshain. Demonstration gegen rechts am Sonnabend. Ein Gespräch mit Clemens Hetzel
Interview: Markus Bernhardt. Erschienen erstmalig in der Tageszeitung junge Welt (15.7.2009)

Clemens Hetzel ist Sprecher der Antifaschistischen Linken Berlin

Am Sonntag kam es in Berlin-Friedrichshain zu einem brutalen Angriff von Neonazis. Was genau ist passiert?


Morgens gegen halb sechs griffen Neonazis zwischen S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee erst Linke und unmittelbar danach eine Gruppe von Passanten an, die glücklicherweise fliehen konnte. Als dann ein weiterer Unbeteiligter ihren Weg kreuzte, schlugen sie solange auf ihn ein, bis er das Bewußtsein verlor. Einer der Nazis zog ihn dann auf den Gehweg, legte sein Gesicht auf die Bordsteinkante und trat mit aller Kraft zu.

Das Opfer liegt jetzt mit schweren Verletzungen – unter anderem Hirnblutungen – im Krankenhaus auf der Intensivstation. Selbst die Berliner Polizei, die bei rechten Übergriffen nicht gerade für ihre Sensibilität bekannt ist, sagt, es sei ein Wunder, daß das Opfer überlebt habe. Die vier Nazis wurden noch am Tatort festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft.


In welchem Kontext sehen Sie den Angriff?

Der Angriff macht uns in erster Linie wütend und zeigt uns, wie notwendig eine antifaschistische Abwehr gerade an Brennpunkten wie dem S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee ist. Wir erinnern uns an den versuchten Mord im März vergangenen Jahres, als eine Rassistin dort einen Schwarzen vor die U-Bahn schubste. Auch Gäste der Großraumdisko »Jeton« greifen hier seit Jahren Alternative, Migranten sowie Schwule und Lesben an. Die Übergriffe geschehen meist spontan und mit sehr großer Brutalität. Auch durch den im Februar eröffneten Thor-Steinar-Laden in der Petersburger Straße flanieren immer häufiger Neonazis durch den Kiez.


Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) verurteilte die Tat. Er sagte, sie zeige, wohin es führen könne, wenn Gewalt zur politischen Auseinandersetzung gebraucht wird ...

Körting versucht mit seiner Aussage, die Übergriffe von Neonazis zu relativieren und mit antifaschistischem Engagement gleichzusetzen. Er suggeriert und konstruiert damit aber auch eine friedliche gesellschaftliche Mitte. Die es so einfach nicht gibt. Fakt ist: Hätten die Linken, die von den Neonazis zuerst angegriffen worden sind, selbige handlungsunfähig gemacht, wäre es nie zu diesem folgenschweren Übergriff gekommen.


Antifa-Demo: Samstag, 18. Juli 2009, 18 Uhr, Bersarin-Platz, www.antifa.de und www.antifa-fh.de.vu

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