12. Juli 2009

Brutaler Nazi-Überfall in Berlin

geschrieben von Antifaschistische Linke Berlin
In Berlin-Friedrichshain wurde in der Nacht zum 12. Juli 2009 ein junger Mann von vier Neonazis brutal zusammengeschlagen. Er musste bewußtlos und mit schweren inneren und äußeren Verletztungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Die vier Nazis wurden festgenommen.
Bereits einen Tag später nahm die Berliner Polizei einen Linken fest, der an einer Auseinandersetzung mit den vier Neonazis vor dem brutalen Überfall beteligt gewesen sein soll. Er kam am Dienstag frei.
Infos: Vorlage für Flyer | Antifa-Friedrichshain | ALB-Interview
Antifa-Demo in Berlin: Sa. 18.7.2009 | 18 Uhr | Bersarin Platz
Presse: jW, ND, taz1, taz2 (18.7.09); taz1, taz2 (17.7.); jW, ND, taz1, taz2 (16.7.); BLZ, taz1, taz2 (15.7.); MAZ, taz (14.7.)

Die Gesamtsituation erinnert stark an den Fall des jungen Hausbesetzers Silvio Meier, der am 21. November 1992 nur wenige Meter vom aktuellen Tatort in Berlin-Friedrichshain von Neonazis erstochen wurde. Die Polizei ermittelte damals auch gegen die linken Freunde Silvio Meiers. Erneut lässt die Polizei den Unterschied zwischen rechten Täter und linken Opfern verschwimmen. Interview mit Silvio Meier


»Er liegt auf der Intensivstation«
Brutaler Neonaziübergriff in Berlin-Friedrichshain. Demonstration gegen rechts am Sonnabend. Ein Gespräch mit Clemens Hetzel
Interview: Markus Bernhardt. Erschienen erstmalig in der Tageszeitung junge Welt (15.7.2009)

Clemens Hetzel ist Sprecher der Antifaschistischen Linken Berlin

Am Sonntag kam es in Berlin-Friedrichshain zu einem brutalen Angriff von Neonazis. Was genau ist passiert?


Morgens gegen halb sechs griffen Neonazis zwischen S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee erst Linke und unmittelbar danach eine Gruppe von Passanten an, die glücklicherweise fliehen konnte. Als dann ein weiterer Unbeteiligter ihren Weg kreuzte, schlugen sie solange auf ihn ein, bis er das Bewußtsein verlor. Einer der Nazis zog ihn dann auf den Gehweg, legte sein Gesicht auf die Bordsteinkante und trat mit aller Kraft zu.

Das Opfer liegt jetzt mit schweren Verletzungen – unter anderem Hirnblutungen – im Krankenhaus auf der Intensivstation. Selbst die Berliner Polizei, die bei rechten Übergriffen nicht gerade für ihre Sensibilität bekannt ist, sagt, es sei ein Wunder, daß das Opfer überlebt habe. Die vier Nazis wurden noch am Tatort festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft.


In welchem Kontext sehen Sie den Angriff?

Der Angriff macht uns in erster Linie wütend und zeigt uns, wie notwendig eine antifaschistische Abwehr gerade an Brennpunkten wie dem S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee ist. Wir erinnern uns an den versuchten Mord im März vergangenen Jahres, als eine Rassistin dort einen Schwarzen vor die U-Bahn schubste. Auch Gäste der Großraumdisko »Jeton« greifen hier seit Jahren Alternative, Migranten sowie Schwule und Lesben an. Die Übergriffe geschehen meist spontan und mit sehr großer Brutalität. Auch durch den im Februar eröffneten Thor-Steinar-Laden in der Petersburger Straße flanieren immer häufiger Neonazis durch den Kiez.


Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) verurteilte die Tat. Er sagte, sie zeige, wohin es führen könne, wenn Gewalt zur politischen Auseinandersetzung gebraucht wird ...

Körting versucht mit seiner Aussage, die Übergriffe von Neonazis zu relativieren und mit antifaschistischem Engagement gleichzusetzen. Er suggeriert und konstruiert damit aber auch eine friedliche gesellschaftliche Mitte. Die es so einfach nicht gibt. Fakt ist: Hätten die Linken, die von den Neonazis zuerst angegriffen worden sind, selbige handlungsunfähig gemacht, wäre es nie zu diesem folgenschweren Übergriff gekommen.


Antifa-Demo: Samstag, 18. Juli 2009, 18 Uhr, Bersarin-Platz, www.antifa.de und www.antifa-fh.de.vu

Der Schwarze Kanal


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