03. März 2009

7.3.09: Nazis in Dessau blockieren

geschrieben von Antifaschistische Linke Berlin
Für den 7. März 2009 kündigen Neonazis aus Dessau und Anhalt-Bitterfeld einen "Trauermarsch" unter dem Motto: "Gegen das Vergessen - Zum Gedenken der Opfer des Bombenangriffs auf Dessau am 7.3.1945" an. Ein antifaschistisches Bündnis aus Sachsen-Anhalt hat sich als Ziel gesetzt den Aufmarsch zu blockieren.
Unter Dessau blockiert gibt es Infos, Hintergründe und Möglichkeiten, am Samstag, den 7.3.09 in Dessau-Roßlau kreativ zu werden.

Nazis den Weg versperren! Mach mit, mach's nach, mach's besser!

Aufruf des Bündnisses »Dessau blockiert ...«

Dessau…
Im Jahr 2009 angekommen versuchen Rechtsextremisten der „Freien Nationalisten Dessau und Anhalt – Bitterfeld“ auch in Dessau-Roßlau die Bombardierung der Stadt am 07. März 1945 im Terminkalender der Neonaziszene zu etablieren. Fakten- und realitätsresistent thematisieren Neonazis bundesweit die kriegsnotwendigen Angriffe deutscher Städte und erklären sie zu alliierten Angriffskriegen oder wahlweise zum „Bombenholocaust“. Die Schuld an industriell organisiertem Massenmord wird dabei von Neonazis relativiert, um sich selbst mit ihren ideologischen „Volksgenossen“, infolge der militärischen Zerschlagung Nazideutschlands, als Opfer von Schicksal und Unrecht präsentieren zu können. Außer Acht wird dabei gelassen, dass der Krieg, der von deutschem Boden ausging, lediglich zum Verursacher zurückkehrte.

…kein unschuldiges Opfer!
Im Land Anhalt stellte Dessau auch aufgrund früh entwickelter völkisch-nationaler Strukturen und organisiertem Antisemitismus ein bedeutendes Verwaltungszentrum des Gaues „Magdeburg-Anhalt“ dar, dessen Gauhauptstadt Dessau später auch wurde. Bereits bei den Wahlen 1932 wurde die NSDAP als stärkste Fraktion in Anhalt gewählt und konnte demnach auf den Rückhalt der Bevölkerung zählen. Nationalsozialistische Funktionäre wie Gregor Strasser (SA-Führer), Joseph Goebbels, Adolf Hitler u.a. waren geladene Gäste in Dessau, und erhielten, u.a. im Kristallpalast der Stadt, stehende Ovationen von den zigtausend Sympathisant_Innen. Am 01. April 1933 erging der erste öffentliche Boykottaufruf gegen jüdische Geschäfte, Arztpraxen und Handwerkerbetriebe. Am 09. November brannte auch in Dessau die Synagoge und der israelitische Friedhof wurde geschändet. Nachdem alle in Dessau verbliebenen Jüd_Innen in einer Tageszeitung mit Namen und Adressen, in Form eines offenen Pogromaufrufs, veröffentlicht wurden, folgten Plünderungen und Zerstörungen jüdischer Geschäfte. Mit der Machtergreifung richtete sich die brutale Gewalt des Naziregimes gegen alle nicht faschistischen Kräfte.

Zu einem Zentrum der Nazi-Rüstungsindustrie aufgebaut, wurden in Dessau u.a. Kampfflugzeuge und Munition für die verbrecherische deutsche Wehrmacht produziert. Für das Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B, mit dem die Nationalsozialisten millionenfach Menschen in Konzentrationslagern ermordeten, war Dessau Hauptproduktionsstätte. Tausende von Zwangsarbeiter_Innen mussten in den hiesigen Betrieben für Nazideutschland unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Bei alliierten Luftangriffen wurde ihnen der Zugang zu den Luftschutzräumen von den fanatischen „Volksgenossen“ verwehrt, wodurch unzählige von ihnen starben. Infolge der militärischen Maßnahmen konnten alliierte Truppen die am Leben gebliebenen Opfer des Naziterrors am 21. April 1945 in Dessau befreien.
…nichts hören, nichts sehen, nichts sagen!?

Erstmals am 12. März 2005 führten die „Freien Nationalisten Dessau/Anhalt“ in Zusammenarbeit mit dem bundesweit bekannten Neonazianmelder Christian Worch einen „Trauermarsch“ mit ca. 250 Teilnehmern durch. Im Jahr 2008 folgte die zweite Auflage des geschichtsrevisionistischen Stelldichein. In Kooperation mit dem NPD-Kreisverband Wolfen-Anhalt-Dessau organisierten die „Freien Nationalisten“ am 08. März 2008 einen Aufmarsch mit etwa 140 Rechtsextremisten zum Friedhof in der Dessauer Heidestraße.

Die Zahl rechtsextremer und antisemitischen Propagandaaktionen und Sachbeschädigungen ist im Jahr 2008 massiv angestiegen. So sind beispielsweise die Gedenk-Stele, die an die Deportation der Dessauer Juden und die Zerstörung der Synagoge erinnert, und der israelitische Friedhof bereits mehrfach mit Hakenkreuzen u.a. nationalsozialistischen Symboliken geschändet worden. Ferner ist das Alternative Jugendzentrum e.V. in Dessau im Jahr 2008 bereits sechs Mal Ziel von rechtsextremen Angriffen geworden, teils mit erheblichen Sachschaden. Im Januar 2009 griffen zudem mindestens 20 Vermummte erneut das AJZ an und drangen dabei in das Gebäude ein. Nur durch besonnenes Handeln konnten sie aus dem Gebäude gedrängt werden und größerer Schaden im Inneren verhindert werden.

Mit erheblichem Zuwachs sind Menschen, die nicht ins Weltbild von Rechtsextremisten passen, in der Muldestadt bedroht, eingeschüchtert, angegriffen und verletzt worden. Zunehmend fanden geplante, teilweise bewaffnete Angriffe auf alternative Jugendliche in der jüngsten Vergangenheit statt. Und um der anwachsenden Neonazigewalt die Krone aufzusetzen, marschierten die Wölfe im Schafspelz 2008 bereits an drei weiteren Terminen in der Innenstadt auf und wähnten sich selbst als die Opfer ausufernder Gewalt. Eine Demonstration mit 300 Teilnehmern stellte am 20. September 2008 dafür den vorläufigen zahlenmäßigen Höhepunkt dar.

Neben dem Neonaziladen „Nordic Flame“ in der Nachbarstadt Köthen, ist die Eröffnung des Verkaufsgeschäfts „Rodberg“ im Januar 2009, das die von Rechtsextremen beliebten Modemarken „Thor Steinar“ und „Erik & Sons“ vertreibt, in Dessau-Roßlau nur die kommerziell getriebene Konsequenz. Der Betreiber zieht, aus Wittenberg kommend, somit einer wachsenden Käuferschaft hinterher. Kleidung mit rechtsextremen Bezug werden somit vermehrt in der Öffentlichkeit Einzug erhalten und menschenfeindliche Positionen salonfähig machen.
…am 07. März und anderen Tagen!!!

In der Vergangenheit gelang es nur unzureichend breiten, engagierten Protest gegen Neonazis auf die Straße zu tragen – deshalb zählen wir auf Dich!!! Mit der Hoffnung, aus der Vergangenheit Schlüsse für die Zukunft zu ziehen, ermutigen wir alle, sich dem Aufmarsch entgegenzustellen. Mehrfach gelang es in den zurückliegenden Monaten – auch in Sachsen-Anhalt – durch entschlossenen Protest, Aufmärsche der extrem rechten Szene zu behindern oder gar zum Rückzug zu zwingen. Aus Salzwedel [Dezember 2008] und Magdeburg [Januar 2009] lernend, halten wir ein kreatives Blockadekonzept auf allen Ebenen für ein bevorzugtes Mittel, den Neonazimob am 07. März 2009 gerade auch in Dessau-Roßlau in die Schranken zu weisen. Neonazis im gesellschaftlichem Leben zurück zu drängen, sollte Ziel einer/s Jeden mit humanem, tolerantem Weltbild sein.

Antiberliner

  • NEU: Antiberliner zur Schuldenkrise

    Schwerpunkte der 31. Ausgabe des Antiberliners sind die Schuldenkrise, aber auch das doppelgesichtige Verhältnis des Staates zu sozialen Bewegungen wie Occupy, S21, Anti-Atom und anderen. Außerdem befasst sich ein Artikel mit weiblichen Rollenklischees im Profisport. Auf der Antifa-Seite wird…


    Weiter Lesen
www.antifa-versand.de
www.dresden-nazifrei.com

www.sachsendrehtfreistaat.blogsport.de
  • Drei Neue Kapuzis bei Red Stuff

    Der Sommer neigt sich dem Ende und der Herbst klopft bereits an die Tür. Viele tauschen T-Shirts gegen Pulli und Jacke - oder gegen die neuen Kapuzenpullis vom Antifa Versand Red Stuff. Zuerst gab es die…


    Weiter Lesen

Hintergrundinfos und Broschüren

  • Broschüre "Total Extrem" als PDF

    In einer neuen Broschüre "Total Extrem" [PDF] informiert die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) über die so genannte Totalitarismus- und Extremismusideologie. Diese setzt Links und Rechts gleich, verharmlost so die Gefahr von Neonazismus und ist explizit gegen linke,…


    Weiter Lesen
  • Zwei Schritte vor in Dortmund

    Auswertung von Dortmund stellt sich quer zu den Protesten gegen den Neonaziaufmarsch zum sog. „nationalen Antikriegstag“ am 3. September 2011 [Text als PDF].Am 3. September 2011 zogen mehrere hundert Neonazis durch die Dortmunder…


    Weiter Lesen
  • Kampangne: War starts here

    Markieren, Blockieren und Sabotieren. Kampagne gegen die kriegerische NormalitätWir rufen auf, aktiv einzugreifen in die kriegerische Normalität und die zahllosen zivilmilitärischen Verflechtungen. Der Fokus unserer Kampagne liegt auf der erweiterten Infrastruktur und der ideologischen Legitimierung von militärischer Gewalt.…


    Weiter Lesen
  • Vor 70 Jahren: Krieg gegen die SU

    Vor 70 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel Nazi-Deutschland die Sowjetunion. Für die dortige Bevölkerung begann ein fast vierjähriger Überlebenskampf: Die "jüdisch-bolschewistische" Staats- und Gesellschaftsordnung sollte ausgerottet werden. Die Sowjetbürger waren den den Jagd- und Mordkommandos der Wehrmacht ausgesetzt.…


    Weiter Lesen
  • Broschüre zu den "G 20" (PDF)

    Im Ok­to­ber 2011 er­schien in Rah­men der Mo­bi­li­sie­rung zur über­re­gio­na­len an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen De­mons­tra­ti­on am 5.​11.2011 in Frei­burg eine Bro­schü­re zur The­ma­tik. Auf 16 Sei­ten wird die Rolle der G20 be­leuch­tet, die Aus­wir­kun­gen die­ser Po­li­tik und die Ge­gen­be­we­gung…


    Weiter Lesen
  • Heft zu Krieg, Krise & Kapitalismus

    Deutschland führt seit Langem wieder Krieg. Die Bundeswehr ist aktuell mit über 6 500 Soldaten weltweit an Kriegseinsätzen beteiligt. In Afghanistan, im Kosovo und vor der Küste Somalias setzt sie die Interessen des deutschen Kapitals durch und sichert den…


    Weiter Lesen
  • Broschüre: 100 Jahre Frauentag

    Begleitend zu Aktivitäten rund um den 8. März 2011, dem 100. Internationalen Frauentag, hat ein Bündnis linksradikaler, sozialistischer und kommunistischer Gruppen eine Broschüre zur Geschichte und zu aktuellen Kämpfen erarbeitet. Das Heft soll grade jüngeren Genossinnen und Genossen den Einstieg in das…


    Weiter Lesen
  • Neu: Heft zum Afghanistan-Krieg

    Anlässlich der Mobilisierung gegen die SiKo und die Mandatsverlängerung 2011 gibt es eine Neuauflage einer Broschüre zum Afghanistankrieg [PDF]. Das Heft - erstmalig im Jahr 2008 erschienen - beschäftigt sich unter anderem mit der aktuellen Situation in Afghanistan,…


    Weiter Lesen
  • Broschüre zum mg-Verfahren

    Nach drei Jahren Solidaritätsarbeit und der Verurteilung von Axel, Florian und Oliver wegen versuchter Brandstiftung an Bundeswehr-LKW im Berliner mg-Prozess legt das Einstellungsbündnis sein Resümee vor. Die Soli-Gruppe beschreibt unter anderem die verschiedenen Linien und Fallstricke der Soli-Arbeit, die…


    Weiter Lesen
  • Mitglied werden in der Roten Hilfe

    Die Rote Hilfe ist eine strömungsübergreife Solidaritäts- und Antirepressionsorganisation. Sie informiert über Verfolgung gegen Linke in der BRD und international. Zudem unterstützt sie Personen, die von Repression betroffen sind. Sie steht euch mit Beratung, anwaltlicher Betreuung…


    Weiter Lesen
  • Debatte: Krise, Protest, Widerstand

    Wir dokumentieren einen Beitrag des Historikers und Sozialforschers Karl Heinz Roth unter dem Titel Globale Krise – Globale Proletarisierung – Gegenperspektiven.Der Beitrag beschreibt wissenschaftlich, ausführlich und doch kompakt und verständlich die Hintergründe…


    Weiter Lesen
Labournet Germany